Zinsrisiko · Treasury

Zinsstrukturkurve

Spot Rates, Forward Rates und Zerobond-Abzinsfaktoren interaktiv visualisieren – mit Preset-Kurven oder eigenen Stützstellen, direkt im Browser.

Stützstellen & Presets

# Laufzeit (Jahre) Spot Rate (% p.a.)

Zinsstrukturkurve

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Ergebnistabelle

# Laufzeit (Jahre) Spot Rate (% p.a.) Forward Rate (Periode) Discount Factor

Fachliche Hintergründe

Was ist eine Zinsstrukturkurve?

Die Zinsstrukturkurve (Yield Curve) bildet den Zusammenhang zwischen Laufzeit und Zinssatz ab. Die dargestellten Zinssätze sind Spot Rates (Kassazinssätze) – die Renditen von Nullkuponanleihen (Zerobonds) der jeweiligen Laufzeit.

Die Form der Kurve gibt wichtige Signale:

  • Normal (steigend): Langfristige Zinsen höher als kurzfristige – der Normalfall, der Laufzeitprämien und Wachstumserwartungen widerspiegelt
  • Flach: Kaum Unterschied zwischen kurzen und langen Zinsen – kann auf eine wirtschaftliche Übergangsphase hindeuten
  • Invers (fallend): Kurzfristige Zinsen höher als langfristige – historisch ein Signal für eine nahende Rezession
  • Buckled/Humped: Buckel bei mittleren Laufzeiten – entsteht bei erwarteten Zinserhöhungen mit anschließender Normalisierung
→ Glossar: Fristentransformation
Was sind Forward Rates?

Forward Rates (implizite Terminzinssätze) sind die Zinssätze, die sich aus der Zinsstrukturkurve für zukünftige Zeiträume ableiten lassen. Sie beantworten die Frage: Welchen Zins erwartet der Markt für eine Anlage von Zeitpunkt t1 bis t2?

f(t1,t2) = ((1 + r2)^t2 / (1 + r1)^t1)^(1/(t2-t1)) − 1
wobei r1 = Spot Rate für t1, r2 = Spot Rate für t2

Interpretation:

  • Erwartungshypothese: Forward Rates entsprechen den erwarteten zukünftigen Spot Rates
  • Liquiditätsprämienhypothese: Forward Rates enthalten eine Prämie für die Übernahme des Laufzeitrisikos
  • Praxis: Die Wahrheit liegt meist dazwischen – Forward Rates reflektieren sowohl Erwartungen als auch Risikoprämien

Steigende Forward Rates deuten auf erwartete Zinserhöhungen hin, fallende auf erwartete Zinssenkungen.

→ Glossar: Marktzinsmethode
Was sind Zerobond-Abzinsfaktoren?

Der Zerobond-Abzinsfaktor (Discount Factor) gibt an, welchen heutigen Wert ein Euro hat, der zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Zukunft gezahlt wird:

DF(t) = 1 / (1 + r_t)^t
wobei r_t = Spot Rate für Laufzeit t

Die Discount Factors sind das zentrale Werkzeug der Barwertberechnung in der Marktzinsmethode. Jeder zukünftige Cashflow wird mit dem laufzeitkongruenten Abzinsfaktor multipliziert, um seinen heutigen Barwert zu ermitteln.

  • DF = 1,0 bedeutet: Keine Abzinsung (Zeitpunkt t=0)
  • DF = 0,95 bedeutet: 1 EUR in der Zukunft ist heute 0,95 EUR wert
  • Je höher der Zinssatz und je länger die Laufzeit, desto kleiner der Discount Factor
→ Glossar: Barwert / EVE
Anwendung in der Banksteuerung

Die Zinsstrukturkurve ist ein fundamentales Instrument der Gesamtbanksteuerung:

  • Marktzinsmethode: Bewertung aller Bankgeschäfte mit laufzeitkongruenten Spot Rates als Basis der Margenkalkulation
  • Fristentransformation: Die Steilheit der Kurve bestimmt den Ertrag aus der Fristentransformation – die Differenz zwischen langen und kurzen Zinsen
  • IRRBB-Szenarios: Parallelverschiebung, Steepener, Flattener und andere aufsichtsrechtliche Zinsschocks werden auf die Zinskurve angewandt
  • EVE-Berechnung: Der Economic Value of Equity basiert auf der Diskontierung aller Cashflows mit der aktuellen Zinsstrukturkurve
  • Hedging-Entscheidungen: Forward Rates helfen bei der Entscheidung, ob eine Absicherung wirtschaftlich sinnvoll ist

Für regulatorische Zwecke sind die von der Aufsicht vorgegebenen Zinsschockszenarien (EBA/BaFin) auf die institutsindividuelle Zinskurve anzuwenden.

→ Glossar: IRRBB → Glossar: Fristentransformation