Definition
Der Internal Liquidity Adequacy Assessment Process (ILAAP) ist der bankinterne Prozess zur Sicherstellung der Liquiditätsadäquanz. Er ist das Pendant zum ICAAP, nur dass es hier nicht um Kapital, sondern um Liquidität geht. Der ILAAP stellt sicher, dass die Bank unter allen plausiblen Szenarien zahlungsfähig bleibt und sich zu angemessenen Konditionen refinanzieren kann.
Rechtsgrundlage
Der ILAAP ist in MaRisk AT 4.1 (Risikotragfähigkeit) und vertiefend in MaRisk BTR 3 (Liquiditätsrisiken) verankert. Die EBA-Leitlinien zum SREP und zur ILAAP-Information enthalten detaillierte Anforderungen an Prozess, Methodik und Dokumentation. Auch hier gilt das Proportionalitätsprinzip: Kleine Institute können einfachere Ansätze wählen, müssen aber dennoch beide Perspektiven abdecken.
Die zwei Perspektiven
Wie beim ICAAP gibt es auch im ILAAP eine normative und eine ökonomische Sicht:
- Normative Perspektive: Regulatorisch definierte Kennzahlen, insbesondere Liquidity Coverage Ratio (LCR) und Net Stable Funding Ratio (NSFR), ergänzt um die Survival Period (wie lange kann die Bank ohne Zugang zu neuen Refinanzierungen überleben).
- Ökonomische Perspektive: Interne Kennzahlen und Stressanalysen, die über die regulatorischen Mindestanforderungen hinausgehen. Typischerweise tiefer granulierte Cashflow-Betrachtungen, institutsspezifische Stressszenarien und eine Analyse der Refinanzierungsstruktur.
Kernbausteine
Ein vollständiger ILAAP umfasst mehrere Bausteine:
- Liquiditätsrisikostrategie: Wie viel Refinanzierungsrisiko ist die Bank bereit einzugehen? Welche Finanzierungsquellen stehen zur Verfügung?
- Refinanzierungsplanung: Projektion der Mittelaufnahme über mehrere Jahre, inklusive Diversifikation und Konzentrationsrisiken.
- Liquiditätsstresstests: Szenarien für institutsspezifische, marktweite und kombinierte Stresslagen.
- Notfallplan: konkrete Maßnahmen für den Fall akuter Liquiditätsengpässe, etwa die Aktivierung zusätzlicher Kreditlinien oder die Verwertung von HQLA-Beständen.
Liquiditätskostenverrechnung als operativer Hebel
Die Liquiditätskostenverrechnung (Liquiditäts-FTP) ist ein zentrales operatives Werkzeug des ILAAP: Sie stellt sicher, dass Geschäftsbereiche die tatsächlichen Liquiditätskosten ihrer Geschäfte tragen und reflektiert damit die Liquiditätsstrategie auf Einzelgeschäftsebene. Ohne belastbare Liquiditätskostenverrechnung bleibt der ILAAP auf der Makroebene und entfaltet keine steuernde Wirkung im Tagesgeschäft.
Abgrenzung zu ICAAP
ICAAP und ILAAP sind getrennte Prozesse, aber stark verzahnt. Kapital und Liquidität sind in Krisen eng gekoppelt: Ein Institut mit angeschlagenem Kapital verliert schnell den Zugang zu günstiger Refinanzierung, wodurch sich Liquiditätsdruck aufbaut. Umgekehrt kann akuter Liquiditätsstress zu Notverkäufen führen, die das Kapital belasten. In der Praxis werden die Prozesse daher parallel durchlaufen und ihre Ergebnisse gemeinsam dem Vorstand und der Aufsicht vorgelegt.
Verwandte Begriffe
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