SREP (Supervisory Review and Evaluation Process)

Der aufsichtliche Überprüfungs- und Bewertungsprozess: Vier Säulen führen zu institutsspezifischen Kapitalanforderungen.

Definition

Der Supervisory Review and Evaluation Process (SREP) ist der jährliche aufsichtliche Bewertungsprozess, mit dem Bankenaufsichtsbehörden die Steuerungsqualität und Risikolage jedes Instituts beurteilen. Das Ergebnis des SREP sind institutsspezifische Kapitalanforderungen (Pillar-2-Requirement, P2R, und Pillar-2-Guidance, P2G) sowie qualitative Auflagen, die den Steuerungsalltag unmittelbar prägen.

Zuständigkeit: EZB und BaFin

Für bedeutende Institute (Significant Institutions, SI) wird der SREP direkt von der EZB im Rahmen des einheitlichen Aufsichtsmechanismus durchgeführt. Für weniger bedeutende Institute (Less Significant Institutions, LSI), darunter die allermeisten deutschen Sparkassen und Genossenschaftsbanken, liegt die Zuständigkeit bei der BaFin in Kooperation mit der Bundesbank. Beide Prozesse folgen den gemeinsamen EBA-Leitlinien, unterscheiden sich aber in Tiefe und Proportionalität.

Die vier Säulen

Der SREP bewertet vier Kernbereiche:

  • Geschäftsmodellanalyse: Ist das Geschäftsmodell tragfähig? Wie profitabel und zukunftsfähig sind die zentralen Ertragsquellen? Dieser Bereich ist besonders bei Sparkassen relevant, weil die klassische Zinsmarge unter Druck steht.
  • Interne Governance und Risikomanagement: Funktionieren die Steuerungsprozesse? Sind Risikoappetit, Limitsystem und Berichtswege belastbar? Hier wird die Qualität der ICAAP- und ILAAP-Prozesse bewertet.
  • Kapitaladäquanz: Ist das Kapital normativ und ökonomisch angemessen? Hier wird u.a. der IRRBB-Schwellenwert (SOT EVE 15 % Tier-1) geprüft.
  • Liquiditätsadäquanz: Ist die Liquiditätsausstattung angemessen? LCR, NSFR, Survival Period und die Qualität des ILAAP stehen im Fokus.

SREP-Scoring

Die Aufsicht vergibt für jede Säule und zusammenfassend einen SREP-Score auf einer Skala von 1 (gut) bis 4 (schwach). Institute mit guten Scores werden mit weniger aufsichtlicher Intensität überwacht. Institute mit Scores 3 oder 4 erleben deutlich intensivere Aufsicht: häufigere On-Site-Prüfungen, engere Meldeanforderungen, teilweise Eingriffe in die Geschäftspolitik.

P2R und P2G

Das quantitative Ergebnis des SREP sind zwei Kapitalgrößen, die über die Mindestquoten der Säule 1 hinausgehen:

  • Pillar-2-Requirement (P2R): Bindend. Ein institutsspezifischer Kapitalzuschlag, der in die Gesamtkapitalquote einfließt. Wird er unterschritten, folgen Ausschüttungsbeschränkungen und aufsichtliche Maßnahmen.
  • Pillar-2-Guidance (P2G): Erwartet, aber nicht formal bindend. Ein zusätzlicher Kapitalpuffer für Stresssituationen. Eine Unterschreitung führt zu aufsichtlichem Dialog, aber nicht automatisch zu Sanktionen.

TSCR, OCR und P2G

Aus der Mindestquote der Säule 1 und dem P2R entsteht die Gesamt-SREP-Kapitalanforderung (TSCR, Total SREP Capital Requirement). Darüber liegen die kombinierten Kapitalpuffer: Kapitalerhaltungspuffer, antizyklischer Kapitalpuffer und gegebenenfalls Systemrisikopuffer. Beides zusammen ist die Gesamtkapitalanforderung (OCR, Overall Capital Requirement). Die P2G setzt die Aufsicht als Erwartung oberhalb der OCR. Für die Kalkulation ist diese Staffel der Ausgangspunkt der strategischen Kapitalquote: Die Bank beschließt, wie weit sie über OCR und P2G bleiben will, und dieser Abstand ist eine Entscheidung der Kapitalstrategie, keine aufsichtliche Vorgabe. Artikel 7 leitet daraus die Eigenkapitalkosten je Kredit ab.

Zusammenspiel mit ICAAP und ILAAP

Der SREP ist nicht unabhängig von ICAAP und ILAAP. Er baut auf ihnen auf. Die Aufsicht nutzt die Ergebnisse aus ICAAP und ILAAP als zentrale Informationsquelle für ihre eigene Bewertung. Qualität und Plausibilität dieser internen Prozesse beeinflussen direkt das SREP-Ergebnis. Schwache ICAAP/ILAAP-Prozesse führen nicht nur zu höheren Kapitalzuschlägen, sondern auch zu schlechteren Governance-Scores.

Relevanz für Sparkassen

Für Sparkassen gilt das LSI-Regime: Der SREP wird national durch BaFin und Bundesbank durchgeführt, mit proportional angepasster Tiefe. Das bedeutet nicht, dass der Prozess weniger relevant wäre, aber die Methodik ist schlanker. Kleinere Institute erleben den SREP typischerweise als strukturierten Dialog über Geschäftsmodell, Risikomanagement und Kapitalplanung, mit klaren Folgen für die strategische Ausrichtung.

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