Ausreißertest-Rechner (SOT)
Standardtest ±200 BP und Supervisory Outlier Test (SOT) unter den sechs EBA-Zinsszenarien für Netto-Cashflow-Bänder des Bankbuchs. Doppel-Ampel gegen Eigenmittel (20 %) und Kernkapital (15 %) inklusive Barwertdifferenz je Szenario.
Eingaben
Netto-Cashflows (Aktiva − Passiva) je Laufzeitband in Mio. €, Eigenmittel und Kernkapital, sowie die Basiszinskurve als Stützstellen.
Bezugsgröße für den Standardtest (Schwelle 20 %).
Bezugsgröße für den SOT (Schwelle 15 %).
Netto-Cashflow-Bänder (Mio. €)
Positive Werte = Aktiv-Überhang (z.B. Kredit-Rückzahlungen). Negative Werte = Passiv-Überhang (z.B. Einlagen-Fälligkeiten).
| Laufzeitband | Mid-Point (Jahre) | Netto-CF (Mio. €) |
|---|
Basiszinskurve (Stützstellen)
Editierbare Stützstellen in % p.a. Zwischenwerte werden linear interpoliert.
| Laufzeit (Jahre) | Zinssatz (% p.a.) |
|---|
Fachliche Erklärungen
Aufbau, verwendete Formeln und Konventionen des Rechners.
Standardtest ±200 BP
Klassischer Baseler Outlier-Test (BaFin-Rundschreiben 06/2019). Das Portfolio wird gegen zwei Parallelverschiebungen der Basiszinskurve bewertet: +200 BP und −200 BP über alle Laufzeiten.
ΔEVE_std = min( BW(+200 BP) − BW_basis ; BW(−200 BP) − BW_basis )
Bezugsgröße für den Ampel-Vergleich sind die Eigenmittel. Institute mit einem Verlust größer 20 % der Eigenmittel gelten als Ausreißer-Institut mit potenziellem Handlungsbedarf.
Ausreißer-Kriterium: |ΔEVE_std| / Eigenmittel ≥ 20 %
Supervisory Outlier Test (SOT) nach DelVO (EU) 2024/856
Der SOT wird in der EU verbindlich durch die Delegierte Verordnung (EU) 2024/856 (RTS zum Zinsänderungsrisiko im Bankbuch, Art. 2 und 3) geregelt; methodische Grundlage sind die EBA/GL/2022/14. Das Institut wird gegen sechs vorgeschriebene Zinsszenarien geprüft:
Parallel Up · Parallel Down · Short Up · Short Down · Steepener · Flattener
Für EUR sind die Zinsschock-Parameter (Annex A der DelVO 2024/856): SPAR = 200 BP, SSHORT = 250 BP (am kurzen Ende, exponentiell abklingend), SLONG = 100 BP (asymptotisch, für Steepener/Flattener). Der Kurzzins-Anteil klingt mit Zeitkonstante K = 4 Jahre exponentiell ab, der Langzins-Anteil steigt komplementär an:
sshort(t) = SSHORT · e−t/K
slong(t) = SLONG · (1 − e−t/K)
Die sechs Szenarien werden daraus als Konstruktionsformeln abgeleitet (Faktoren nach Basel-Standard):
Parallel Up / Down : ±SPAR
Short Up / Down : ±sshort(t)
Steepener : −0,65 · sshort(t) + 0,90 · slong(t)
Flattener : +0,80 · sshort(t) − 0,60 · slong(t)
Beispielhafte Shift-Werte: Parallel konstant ±200 BP; Short Up bei t=1 J ≈ +195 BP, bei t=10 J ≈ +21 BP; Steepener bei t=30 J ≈ +90 BP; Flattener bei t=10 J ≈ −39 BP.
ΔEVE_sot = min( ΔEVE_szen für szen ∈ {parUp, parDown, shortUp, shortDown, steepener, flattener} )
Bezugsgröße ist das Kernkapital (Tier 1). Der SOT-Schwellenwert liegt bei 15 %.
SOT-Kriterium: |ΔEVE_sot| / Kernkapital ≥ 15 %
Dieser Rechner bildet die EVE-Perspektive des SOT ab. Der ergänzende NII-SOT wird erläutert, aber nicht berechnet. Für den NII-SOT (Nettozinsertrag) gilt eine 5 %-Schwelle bezogen auf das Tier-1-Kapital.
Hinweis Basel-Rekalibrierung: Auf Basel-Ebene (BCBS) werden aktuell Anpassungen der Zinsschock-Höhen diskutiert. EU-rechtlich sind diese noch nicht umgesetzt. Maßgeblich bleibt die DelVO (EU) 2024/856 (Stand 08/2026).
Post-Schock-Zinsfloor (Art. 3 Abs. 7 DelVO 2024/856)
Nach Art. 3 Abs. 7 der Delegierten Verordnung (EU) 2024/856 wird der geschockte Zinssatz durch einen laufzeitabhängigen Post-Schock-Floor nach unten begrenzt:
floor(t) = min( 0 ; −1,50 % + 0,03 % · t )
Der Floor startet bei −150 BP für t=0 (Overnight), steigt linear um 3 BP pro Laufzeitjahr an und erreicht 0 % ab Laufzeit 50 Jahren.
| Laufzeit | Floor |
|---|---|
| 0 Jahre (Overnight) | −1,50 % |
| 10 Jahre | −1,20 % |
| 20 Jahre | −0,90 % |
| 50 Jahre | 0,00 % |
Floor-Ausnahme (Art. 3 Abs. 7): Liegt der Basiszins bereits unterhalb des Floor-Werts, wird der Basiszins als effektiver Floor genutzt. Der Floor darf nicht zu einer Zinsanhebung führen.
effektiverFloor(t) = min( floor(t) ; basiszins(t) )
geschockterZins(t) = max( basiszins(t) + schock(t) ; effektiverFloor(t) )
Zwei Zahlenbeispiele:
· Floor greift nicht: Basiszins 2,00 %, Schock −200 BP → roher Wert 0,00 %. Der Floor (−1,50 %) liegt darunter, wird nicht wirksam. Ergebnis: 0,00 %.
· Floor greift: Basiszins 0,20 % (bei t=1 J), Schock −200 BP → roher Wert −1,80 %. Floor bei t=1 J: −1,47 % (= −1,50 + 0,03·1). Basiszins 0,20 % > Floor −1,47 %, daher effektiver Floor = −1,47 %. Ergebnis: −1,47 %.
Hintergrund: Wo bindet der EBA-Floor bei der aktuellen Zinskurve? Die sechs Szenarien gegen die aktuelle €STR-Kurve gerechnet.
Diskontierung und Barwertberechnung
Jeder Netto-Cashflow wird auf den Bewertungsstichtag diskontiert. Der Diskontsatz zum jeweiligen Mid-Point-Zeitpunkt wird linear zwischen den Stützstellen der Basiszinskurve interpoliert. Die geschockte Kurve entsteht durch Aufschlag der szenariospezifischen Shift-Werte auf die Basiskurve, anschließend Anwendung des laufzeitabhängigen EBA-Floors.
BW = Σ CF_i · (1 + r(t_i)) ^ (−t_i)
ΔEVE ist die Differenz aus geschocktem Barwert und Basis-Barwert:
ΔEVE_szen = BW_szen − BW_basis
Negative ΔEVE-Werte bedeuten einen Barwertverlust (Ausreißer-Risiko). Der Worst Case ist das kleinste (negativste) ΔEVE über alle betrachteten Szenarien.
Modell-Vereinfachungen
Der Rechner arbeitet mit deutlichen Vereinfachungen gegenüber institutsspezifischen Systemen:
· Nur EUR: Andere Währungen werden nicht modelliert. Die Zinsschock-Parameter (SPAR, SSHORT, SLONG) sind währungsspezifisch. Für USD, GBP etc. gelten andere Kalibrierungen (Annex A DelVO 2024/856).
· Keine variablen Positionen: Bodensatz-Modelle für Sichteinlagen (NMD, Non-Maturity Deposits) sind nicht abgebildet. Cashflows müssen bereits per Ablaufmodell zerlegt eingegeben werden.
· Nur EVE-Perspektive: Dieser Rechner bildet die EVE-Perspektive des SOT ab. Der ergänzende NII-SOT wird erläutert, aber nicht berechnet.
· Mid-Point-Konvention: Cashflows werden mit dem Mid-Point-Zeitpunkt ihres Laufzeitbands diskontiert. Institutsspezifische Systeme arbeiten mit tagesgenauen Zahlungsströmen.
· Keine Berücksichtigung von Optionen: Kündigungsrechte, Sondertilgungsoptionen und andere Zinsoptionen sind nicht bewertet.
SOT-Ergebnisse im Steuerungskontext einordnen
Die IRRBB-Simulation im Testlabor zeigt, wie ΔEVE und ΔNII in einer fiktiven Vermögensbilanz zusammenspielen. Das Management Cockpit verzahnt SOT-Ergebnisse mit Ertrag, Regulatorik und Handlungssignalen zu einer integrierten Steuerungssicht.