Definition
Zinsbuchsteuerung ist die bewusste Ausrichtung aller zinstragenden Positionen des Anlagebuchs auf eine gewollte Zinsrisikoposition. Das Zinsbuch fasst dazu Kundengeschäft, Eigenanlagen und Refinanzierung zu einem Cashflow zusammen, einschließlich der variablen Produkte, die über Ablauffiktionen und Zinsanpassungselastizitäten modelliert werden müssen, weil sie keine vertragliche Laufzeit haben. Gesteuert wird nicht das einzelne Geschäft, sondern die Summe.
Zwei Sichten auf dasselbe Buch
Barwertig betrachtet die Zinsbuchsteuerung die Substanz: Wie verändert eine Zinsbewegung den Wert aller künftigen Cashflows heute? Periodisch betrachtet sie das Zinsergebnis der kommenden Jahre in der GuV. Beide Sichten sind notwendig, und sie widersprechen sich regelmäßig: Eine Position, die den Barwert schützt, kann das Zinsergebnis der nächsten zwei Jahre kosten. Die Aufsicht spiegelt genau diese Doppelung, indem sie Zinsänderungsrisiko sowohl barwertig als auch ertragsorientiert abfragt.
Leitplanken und Instrumente
Die aufsichtlichen Grenzen sind eng gezogen: der IRRBB-Ausreißertest begrenzt den barwertigen Verlust in den sechs aufsichtlichen Szenarien, der Zinsrisikokoeffizient misst den Effekt eines 200-Basispunkte-Schocks gegen die Eigenmittel. Zur Steuerung stehen Depot A, Zinsswaps, eigene Emissionen und nicht zuletzt die Konditionengestaltung im Kundengeschäft. Der letzte Punkt wird am häufigsten unterschätzt: Die Passivseite ist nicht nur Datenlieferant für das Zinsbuch, sondern selbst ein Steuerungsinstrument.
Steuerungsimpuls
Die verbreitetste Form der Zinsbuchsteuerung ist die Orientierung an einem gleitenden Durchschnitt, meist über zehn Jahre. Das ist ein sauber begründbarer Anker mit gutem Track Record. Es ist aber auch eine Entscheidung, nämlich die, keine eigene Zinsmeinung zu bilden. Wer eine Benchmark hält, sollte sagen können, warum. Sonst ist die Benchmark keine Strategie, sondern der Verzicht auf eine.
Verwandte Begriffe
Vertiefen Sie das Thema
Im Whitepaper „Triangulation in der Banksteuerung“ erfahren Sie, wie die Zinsbuchsteuerung mit Ertrags- und Kapitalsteuerung zu einem konsistenten Gesamtbild verzahnt wird.