Definition
Der Economic Value of Equity (EVE) ist der Barwert aller zinstragenden Aktivpositionen einer Bank, vermindert um den Barwert aller zinstragenden Passivpositionen. EVE bildet damit den ökonomischen Substanzwert des Eigenkapitals ab, im Unterschied zur bilanziellen Eigenkapitalsicht.
Berechnungsprinzip
Für die EVE-Berechnung werden alle zukünftigen Cashflows des Zinsbuchs modelliert und mit der aktuellen Zinsstrukturkurve auf den heutigen Barwert diskontiert. Die Differenz aus Barwert der Aktiva und Barwert der Passiva ergibt den ökonomischen Wert des Eigenkapitals. Steuerungsrelevant ist weniger der absolute EVE-Stand als seine Veränderung unter Zinsschocks, das sogenannte ΔEVE.
Messzweck: ΔEVE
Die DelVO (EU) 2024/856 schreibt für den Ausreißertest die Berechnung von ΔEVE unter sechs standardisierten Zinsszenarien vor (Parallel Up/Down, Short Rate Up/Down, Steepener, Flattener). Das Szenario mit dem größten negativen ΔEVE ist der Worst Case und bestimmt die regulatorische Bewertung. Bei einer typischen Festzinsbank mit langen Aktiva und kurzen Passiva wirken steigende Zinsen besonders stark auf das ΔEVE.
Abgrenzung zur bilanziellen Eigenkapitalsicht
EVE ist nicht das buchhalterische Eigenkapital. Die Bilanz bewertet Positionen nach HGB oder IFRS und berücksichtigt Barwertänderungen nicht immer sofort. EVE hingegen ist konsequent barwertig: Es zeigt den ökonomischen Wert, den die Bank heute hätte, wenn sie alle Positionen zum aktuellen Marktzins glattstellen würde. Diese Differenz zwischen ökonomischer und bilanzieller Sicht ist bei Zinsrisiken besonders deutlich und einer der Gründe, warum die Aufsicht beide Perspektiven parallel verlangt.
Regulatorische Verankerung
EVE ist das zentrale Zinsrisikomaß der Säule-2-Betrachtung. Nach Art. 98 Abs. 5 CRD schlägt der Supervisory Outlier Test (SOT) an, wenn der EVE in einem der sechs aufsichtlichen Szenarien um mehr als 15 % des Tier-1-Kapitals sinkt. Institute, die diese Schwelle reißen, müssen im SREP-Dialog mit der Aufsicht erklären, warum die Zinsrisikoposition so aufgestellt ist, und unter Umständen kapitalseitig nachsteuern.
Steuerungsrelevanz
EVE ist die Kennzahl, mit der das Zinsbuch substanziell gesteuert wird. Wer nur auf das periodische NII schaut, übersieht das langfristige Barwertrisiko; wer nur EVE steuert, verliert die GuV-Sicht. Die integrierte Betrachtung beider Perspektiven ist daher der Kern einer tragfähigen IRRBB-Steuerung.
Verwandte Begriffe
Passende Tools
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