Definition
Die Liquiditätskostenverrechnung, in der Praxis oft Liquiditäts-FTP genannt, ist das interne Verrechnungspreissystem für Liquiditätskosten einer Bank. Während das Zins-FTP das Zinsrisiko auf Einzelgeschäftsebene zuordnet, weist die Liquiditätskostenverrechnung jedem Geschäft die Liquiditätskosten zu, die es verursacht, und jedem Passivgeschäft den Liquiditätsnutzen, den es stiftet.
Abgrenzung zum Zins-FTP
Das Zins-FTP beantwortet die Frage: „Was kostet oder bringt die Zinsbindung dieses Geschäfts?“ Die Liquiditätskostenverrechnung beantwortet die Frage: „Was kostet oder bringt die Liquiditätsbindung dieses Geschäfts?“ Beide Dimensionen sind in der Realität verknüpft, aber methodisch sauber zu trennen. Ein zehnjähriger Festzinskredit hat sowohl Zinsrisiko (lange Zinsbindung) als auch Liquiditätsrisiko (das Geld ist zehn Jahre gebunden). Beide Komponenten werden getrennt verrechnet, weil sie unterschiedlichen Steuerungsinstanzen zuzuordnen sind.
Komponenten des Liquiditätsaufschlags
Der Liquiditätsaufschlag auf ein Geschäft besteht typischerweise aus mehreren Komponenten:
- Term Liquidity Premium: Die laufzeitabhängige Prämie, die die Bank für die langfristige Mittelbeschaffung am Markt zahlen müsste. Sie variiert mit der eigenen Bonität und der Marktsituation.
- Kosten für Liquiditätsreserven: HQLA-Bestände (Level 1/2) bringen niedrige Renditen, binden aber Kapital. Diese Opportunitätskosten werden auf die refinanzierten Geschäfte umgelegt.
- Kontingenzkosten: Kosten für ungezogene Kreditlinien, Eventualverbindlichkeiten und andere Positionen, die im Stressfall Liquidität beanspruchen können.
Anwendung in der Praxis
In der Anwendung wird der Liquiditätsaufschlag auf den Zins-FTP-Satz addiert. Ein 10-jähriger Unternehmenskredit erhält also beispielsweise einen Zins-FTP-Satz aus der 10-Jahres-Swap-Kurve plus einen Liquiditätsaufschlag von, je nach Bonität der Bank und Marktlage, 20 bis 80 Basispunkten. Langfristige Passivgeschäfte wie ein zehnjähriger Pfandbrief erhalten entsprechend einen Liquiditätsbonus, weil sie der Bank stabile langfristige Mittel zur Verfügung stellen.
Regulatorische Erwartungen
Die MaRisk verlangen in BTR 3 Tz. 5 ein geeignetes Verrechnungssystem, das Liquiditätskosten, -nutzen und -risiken verursachungsgerecht intern verrechnet, einschließlich der Kosten der vorzuhaltenden Liquiditätspuffer. Wie fein es sein muss, hängt vom Geschäft ab: Bei überwiegend kleinteiligem Kundengeschäft auf beiden Bilanzseiten und stabiler Refinanzierung reicht nach den Erläuterungen ein einfaches Verrechnungssystem. Größere und komplexere Institute verrechnen in der Praxis meist differenzierter, etwa nach Produkt, Laufzeit und Währung. Vom Rundschreiben 10/2012 bis einschließlich Rundschreiben 06/2024 verlangten die MaRisk von großen Instituten mit komplexen Geschäftsaktivitäten ausdrücklich ein Liquiditätstransferpreissystem; im Rundschreiben 06/2026 fehlt diese Anforderung. Der Ausschuss der europäischen Bankaufsichtsbehörden (CEBS), der Vorgänger der EBA, hat im Oktober 2010 Leitlinien dazu veröffentlicht (Guidelines on Liquidity Cost Benefit Allocation). In der Prüfungspraxis wird insbesondere darauf geachtet, dass der Aufschlag aktuelle Marktbedingungen widerspiegelt und nicht auf historischen Daten eingefroren ist.
Steuerungsrelevanz
Ohne Liquiditätskostenverrechnung ist die Profitabilitätsbeurteilung langfristiger Geschäfte systematisch verzerrt. Wer nur das Zins-FTP anwendet, unterschätzt die Kosten langfristiger Aktiva und überschätzt deren Marge. Das führt zu Fehlanreizen im Vertrieb: Langfristiges Geschäft wird zu günstig bepreist, kurzfristiges benachteiligt. Mit sauberer Liquiditätskostenverrechnung werden beide Dimensionen der Transformation transparent, Zins und Liquidität. Erst dann können Treasury und Vertrieb verursachungsgerecht gesteuert werden.
Verwandte Begriffe
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