Definition
Das Risikodeckungspotenzial umfasst alle Mittel, die ein Institut zur Deckung eingegangener Risiken einsetzen kann, und ist der Ausgangspunkt jeder Risikotragfähigkeitsrechnung. Aus dem verfügbaren RDP wird abgeleitet, welcher Teil bewusst zur Abdeckung der wesentlichen Risiken gewidmet wird; die Differenz ist kein Rechenrest, sondern der Puffer, den Führung bewusst offen lässt.
Zwei Perspektiven seit dem RTF-Leitfaden 2018
Entscheidend ist die Perspektive. Seit dem Risikotragfähigkeitsleitfaden von BaFin und Bundesbank vom 24. Mai 2018 betrachten Institute ihre Risikotragfähigkeit in zwei Perspektiven, die sich ergänzen, einer normativen und einer ökonomischen. Den zuvor überwiegend genutzten Going-Concern-Ansatz sieht der Leitfaden nicht mehr vor, ließ ihn in alter Prägung aber übergangsweise weiter zu; seit 2023 gelten die beiden Perspektiven für alle Institute. In der normativen Perspektive speist sich das RDP aus den regulatorischen Eigenmitteln und der mehrjährigen Kapitalplanung; sie sichert, dass das Institut alle aufsichtlichen Anforderungen fortlaufend erfüllt. In der ökonomischen Perspektive wird das RDP barwertig ermittelt und bildet ab, welche Substanz das Institut bei einer Stichtagsbetrachtung tatsächlich zur Risikodeckung hat. Dieselbe Bank kann in beiden Perspektiven sehr unterschiedliche Potenziale ausweisen. Wer nur eine steuert, steuert halb.
Steuerungsimpuls
In der Praxis wird dabei ein Punkt am häufigsten unterschätzt: Die Höhe des gewidmeten RDP ist keine Rechengröße, die sich aus der Methodik ergibt. Sie ist die zentrale Risikoappetit-Entscheidung des Vorstands. Datenbasis und Methodik liefern die Zahl; die Entscheidung, wie viel Potenzial als Risikoappetit freigegeben wird, bleibt Führungsaufgabe. Wer RDP nur „rechnet“, statt es bewusst zu „widmen“, verwechselt Buchhaltung mit Steuerung.
Verwandte Begriffe
Erleben statt lesen
In „Das Mandat: Die Banksteuerungs-Simulation“ lässt sich verfolgen, wie sich das Risikodeckungspotenzial über die Zeit entwickelt.
Vertiefen Sie das Thema
Im Whitepaper „Triangulation in der Banksteuerung“ erfahren Sie, wie das Risikodeckungspotenzial konsistent mit Ertrags- und Liquiditätssteuerung verzahnt wird.