Funds Transfer Pricing (FTP) / Liquiditätstransferpreise

Der interne Verrechnungsmechanismus, der Zins- und Liquiditätsrisiko ins Treasury überführt und die auf das Kundengeschäft entfallende Brutto-Marge sichtbar macht.

Definition

Funds Transfer Pricing (FTP), im deutschen Sprachgebrauch Liquiditäts- und Verrechnungspreise, ist der interne Mechanismus, mit dem Zins- und Liquiditätskosten zwischen den Geschäftsbereichen und einem zentralen Treasury verrechnet werden. Er überführt Zinsänderungs- und Liquiditätsrisiko ins Treasury und lässt bei den Marktbereichen die auf das Kundengeschäft entfallende Brutto-Marge zurück, den Konditionsbeitrag.

Kondition vs. Struktur

Damit ist FTP die Voraussetzung für eine saubere Trennung von Kondition und Struktur: Erst wenn Risiko und Fristentransformation korrekt bepreist und verrechnet sind, zeigt die Ergebnisrechnung, wer wirklich Geld verdient.

Steuerungsimpuls

Der unterschätzte Punkt: FTP entscheidet, wo Ergebnis „entsteht“. Falsch kalibriert, belohnt es das falsche Geschäft, subventioniert die falschen Produkte und führt die Bank über ihre eigenen Margen in die Irre. FTP ist keine Treasury-Technikalität. Es ist die Art, wie die Bank sich selbst die Wahrheit darüber sagt, wer was verdient.

Begriffsbrücke: Opportunitätszins ↔ FTP ↔ LTP

In der Praxis überlappen drei Begriffe: Opportunitätszins ist der fachliche Bewertungsmaßstab der Marktzinsmethode (risikofreier Zins aus der €STR-Swapkurve); FTP ist der operative Mechanismus, mit dem dieser Maßstab intern verrechnet wird; Liquiditätstransferpreis (LTP) ist das Gegenstück auf der Liquiditätsseite, also der Preis, zu dem die Treasury-Funktion dem Kundengeschäft Liquidität abgibt oder abnimmt. Zusammen trennen sie zwei Ergebnisdimensionen, Zins (Konditionsbeitrag) und Liquidität (Liquiditätsbeitrag), jede mit eigener Kurve, eigener Bezugsgröße (Zinsbindung bzw. Kapitalbindung) und eigenem Strukturbeitrag auf Gesamtbankebene.

Verwandte Begriffe

Passende Tools

Grundlagenartikel „Marktzinsmethode am Beispiel einer Sparkasse“

FTP-Sätze in der Praxis: Wie eine fiktive Sparkasse mit 3 Mrd. € Bilanzsumme ihre FTP-Sätze pro Geschäftsfeld setzt und damit Vertrieb und Treasury sauber trennt. Das Lehrbeispiel zeigt auch den Behavioralisierungs-Effekt bei Sichteinlagen und die FTP-neutrale Verbund-Refinanzierung.

Zum Grundlagenartikel

Vertiefen Sie das Thema

Im Whitepaper „Triangulation in der Banksteuerung“ erfahren Sie, wie Verrechnungspreise Ertrags- und Risikosteuerung konsistent verbinden.

Whitepaper herunterladen (PDF) Reifegrad-Check starten