Opportunitätszins

Der laufzeit- bzw. zahlungsstrukturkongruente risikofreie Zins aus der €STR-Swapkurve, gegen den ein Kundengeschäft in der Marktzinsmethode bewertet wird.

Kurzdefinition

Der laufzeit- bzw. zahlungsstrukturkongruente risikofreie Zins aus der €STR-Swapkurve, gegen den ein Kundengeschäft in der Marktzinsmethode bewertet wird. Jeder Aufschlag über die Swapkurve (Liquiditätsspread, Adressrisiko) gehört auf die Liquiditätsseite.

Haupttext

Der Opportunitätszins beantwortet die Frage: Was wäre die risikofreie Marktalternative zu diesem Geschäft? Er ist kein tatsächlicher Refinanzierungsvorgang, sondern eine Bewertungslinie: der Preis, zu dem der Markt dasselbe Zins- und Laufzeitprofil ohne Adress- und Liquiditätskomponente handelt. Als operative Realisierung dient die €STR-Swapkurve. Bei endfälligen Geschäften ist er der Kurvenpunkt der Zinsbindung; bei Tilgungsgeschäften ist er ein kapitalbindungsgewichteter Mischsatz über die €STR-Swapkurve, weil jede Rate ein Teilgeschäft eigener Laufzeit ist. Wer Tilgungsdarlehen pauschal gegen den Satz der Endlaufzeit bewertet, verzerrt den Konditionsbeitrag systematisch: bei normaler Kurve nach unten, bei inverser nach oben. Bei variablen Geschäften orientiert sich der Opportunitätszins an der Repricing-Periode, nicht an der Vertragslaufzeit. Wer den Opportunitätszins von einer Euribor- oder Emittentenkurve abliest, hat einen Teil der Liquiditätskosten bereits im Zins versteckt.

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