Kurzdefinition
Die Differenz zwischen Kundenkondition und zahlungsstrukturkongruentem Opportunitätszins, also der dem Kundengeschäft zurechenbare Teil des Zinsergebnisses, bei Abschluss fixiert.
Haupttext
Der Konditionsbeitrag misst, was ein Geschäft gegenüber der Marktalternative wert ist: beim Aktivgeschäft Kundenzins minus Opportunitätszins, beim Passivgeschäft umgekehrt. Mit dem Abschluss wird das Geschäft risikoneutral gestellt: Die Marge ist eingefroren, das Zinsänderungsrisiko geht auf das Treasury über. Das gilt auch für variable Geschäfte: Dort ist die Marge über dem repricing-kongruenten Referenzsatz fixiert. Ein Konditionsbeitrag, der sich nachträglich mit dem Zinsniveau bewegt, ist ein Rechenfehler, kein Marktphänomen. Wichtig ist zudem die Abgrenzung zur Erfolgsmessung: Der Konditionsbeitrag ist eine Bruttogröße und Zurechnungsgröße. Erfolg zeigt sich erst in der Nettomarge nach Liquiditäts-, Adressrisiko-, Stück- und Eigenkapitalkosten.
Vertiefung
Ausführliche Herleitung, Beispiele und Prüffragen im Artikel Die Marktzinsmethode der Sektion Kalkulation.
Berechnung
Die Berechnung unterscheidet nach der Geschäftsart und stützt sich auf den FTP-Satz, also den fristen- und liquiditätskongruenten internen Verrechnungspreis, typischerweise abgeleitet aus der Swap-Kurve zuzüglich Liquiditätsspread:
Aktivgeschäft (Kredit, Anlage):
KB = (Kundenzins − FTP-Satz) × Volumen
Passivgeschäft (Einlagen, Emissionen):
KB = (FTP-Satz − Kundenzins) × Volumen
Ein positiver Konditionsbeitrag bedeutet immer: Das Geschäft wurde besser als zur Marktalternative abgeschlossen. Bei einem Kredit heißt das, einen höheren Zinssatz erzielt zu haben als der FTP-Satz. Bei einer Einlage bedeutet es, einen niedrigeren Einlagenzins gezahlt zu haben als der FTP-Satz. Er bleibt eine Bruttogröße; ob am Ende auch ein Ergebnis übrig bleibt, entscheidet die Nettomarge nach Liquiditäts-, Adressrisiko-, Stück- und Eigenkapitalkosten.
Rechenbeispiel
Ein Immobilienkredit mit 5 Mio. EUR Volumen, 8 Jahren Restlaufzeit, 3,50 % Kundenzins. Der fristenkongruente FTP-Satz beträgt 2,80 %.
KB-Marge = 3,50 % − 2,80 % = 0,70 %
KB = 0,70 % × 5.000.000 € = 35.000 € pro Jahr
Die methodische Verzahnung mit dem Strukturbeitrag und die Identität KB + SB = Gesamtmarge sind in Konditionsbeitrag / Strukturbeitrag ausführlich dargestellt.
Abgrenzung zum Strukturbeitrag
Der Konditionsbeitrag ist die dem Kundengeschäft zurechenbare Größe. Er entsteht am Kunden durch die Preisentscheidung beim Abschluss und wird dort verantwortet, wo diese Entscheidung fällt. Der Strukturbeitrag ist kategorial etwas anderes: Ergebnis der bewusst gehaltenen Zinsrisikoposition, verantwortet vom Treasury. Diese Trennung macht die Marktzinsmethode dem älteren Schichtenmodell überlegen: Zurechnung und Verantwortung sind klar sortiert, unabhängig davon, wie sich das Zinsumfeld entwickelt.
Steigt das Marktzinsniveau, verändert sich der Strukturbeitrag mit der Fristentransformation. Der Konditionsbeitrag eines bereits abgeschlossenen Geschäfts bleibt dagegen fixiert. Dieses Prinzip macht Kundengeschäfts- und Risikosteuerung überhaupt erst trennbar.
Steuerungsrelevanz
In der Praxis wird der Konditionsbeitrag auf Einzelgeschäfts-, Produkt- und Beratungsebene ausgewiesen. Er ist die Grundlage für:
- Produktkalkulation und Mindestmargenvorgaben
- Vertriebssteuerung und Zielkennzahlen für Berater
- Kundenprofitabilitätsanalysen
- Preissetzungsentscheidungen bei Neugeschäft
Ein häufiger Steuerungsfehler: Negative Konditionsbeiträge werden durch einen hohen Strukturbeitrag überdeckt. In Zeiten steigender Zinsen sieht das Zinsergebnis gut aus, obwohl im Kundengeschäft strukturell Margen verschenkt werden. Die Marktzinsmethode macht solche Quersubventionen sichtbar, indem sie beide Ergebnisquellen sauber trennt; die tatsächliche Ergebniswirkung zeigt sich erst in der Nettomarge nach Liquiditäts-, Adressrisiko-, Stück- und Eigenkapitalkosten.
Verwandte Begriffe
Im Testlabor ausprobieren
- Marktzinsmethode-Simulator Konditionsbeitrag je Position berechnen und im Waterfall visualisieren
- Zinsstrukturkurve FTP-Sätze aus der Zinskurve ableiten
Grundlagenartikel „Marktzinsmethode am Beispiel einer Sparkasse“
Konditionsbeitrag in Aktion: Wie eine fiktive Sparkasse mit 3 Mrd. € Bilanzsumme den Konditionsbeitrag pro Geschäftsfeld berechnet. Im Lehrbeispiel tragen Sichteinlagen 23,1 Mio. €, Wohnbau 14,9 Mio. € und die Verbund-Refinanzierung 0 Mio. € bei. Mit Tabelle und Wasserfallgrafik.
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