Ertragssteuerung · Phase 1

Marktzinsmethode

Konditionsbeitrag und Strukturbeitrag interaktiv berechnen – mit einem editierbaren Beispielportfolio und anpassbarer Referenz-Zinskurve, vollständig im Browser.

Referenz-Zinskurve (editierbar)

Die Zinskurve liefert den FTP-Satz (fristkongruenter Marktzins / Opportunitätszins; im Kanon der Sektion Kalkulation: €STR-Swapkurve). Für jede Portfolio-Position wird der FTP-Satz durch lineare Interpolation ermittelt.

Laufzeit Jahre (t) Marktzins (% p.a.)

Vermögensbilanz (editierbar)

Passen Sie die Positionen an oder fügen Sie neue hinzu. Typ: Aktiv = Kredit/Anlage, Passiv = Einlage/Emission, Receiver-Swap = Bank empfängt Festzins, Payer-Swap = Bank zahlt Festzins. Volumen in Mio. EUR eingeben (z. B. 0,50 für 500 Tsd. EUR). Ergebnisse werden in Tsd. EUR ausgewiesen.

# Bezeichnung Typ Volumen (Mio. EUR) Kundenzins (%) Laufzeit (J.)

Ergebnisübersicht

Ergebnisaufbau – Waterfall

■ Positive Beiträge   ■ Negative Beiträge   ■ Gesamtergebnis

Einzelgeschäfte – Detailauswertung

# Bezeichnung Typ Volumen (Mio.) Kundenzins Marktzins KB (%) KB (Tsd. EUR)

Konditionsbeiträge je Position

Fachliche Hintergründe

Was ist die Marktzinsmethode?

Die Marktzinsmethode ist das Standardverfahren der Banksteuerung zur Margenkalkulation. Sie zerlegt das Gesamtergebnis jedes Bankgeschäfts in zwei Komponenten: den Konditionsbeitrag (dem Kundengeschäft zurechenbare Bruttomarge) und den Strukturbeitrag (Ergebnis der Fristentransformation, verantwortet vom Treasury).

Das Grundprinzip ist das Opportunitätsprinzip: Jedes Kundengeschäft wird mit dem FTP-Satz (auch fristkongruenter Marktzins oder Opportunitätszins genannt) verglichen – also dem Preis, zu dem die Bank am Kapitalmarkt alternativ anlegen oder refinanzieren könnte.

  • Aktiv (Kredite, Anlagen): Bank könnte das Geld am Markt anlegen → Kundenzins muss Marktzins übertreffen
  • Passiv (Einlagen, Emissionen): Bank könnte sich am Markt refinanzieren → Kundenzins soll unter Marktzins liegen

Die Methode ermöglicht eine verursachungsgerechte Ertragszurechnung: Jede Vertriebseinheit verantwortet die Preisentscheidung am Kunden und damit den Konditionsbeitrag (brutto), während das Treasury die Zinsrisikoposition und damit den Strukturbeitrag verantwortet.

→ Glossar: Marktzinsmethode

Vertiefung: Artikel 1 „Marktzinsmethode" in der Sektion Kalkulation.

Was ist der Konditionsbeitrag?

Der Konditionsbeitrag (KB) ist die dem Kundengeschäft zurechenbare Brutto-Marge gegenüber dem Kapitalmarkt (Kundenzins vs. FTP-Satz), bei Abschluss durch Risikoneutralstellung fixiert. Er misst, wie gut die Konditionen eines Kundengeschäfts im Vergleich zum FTP-Satz sind.

Aktiv-KB (%) = Kundenzins – FTP-Satz
Passiv-KB (%) = FTP-Satz – Kundenzins
KB (EUR) = KB (%) × Volumen / 100

Ein positiver KB bedeutet: Das Geschäft wurde besser als zur Marktalternative abgeschlossen (Kredit über Markt bepreist, Einlage unter Markt eingekauft) — als Bruttogröße, vor Liquiditäts-, Adressrisiko-, Stück- und Eigenkapitalkosten. Ein negativer KB (wie bei der Termineinlage im Beispiel) bedeutet: Die Bank zahlt dem Kunden mehr als Markt oder leiht unter Markt – z. B. durch Wettbewerbsdruck.

  • Der KB ist die dem Kundengeschäft zurechenbare Bruttogröße – unabhängig von Laufzeit und Zinsbindung; Erfolg zeigt sich erst in der Nettomarge nach Liquiditäts-, Adressrisiko-, Stück- und Eigenkapitalkosten
  • Negative KB-Positionen belasten das Gesamtergebnis und sollten hinterfragt werden
  • Für Receiver-Swap (Bank empfängt Festzins): KB = Swapzins – GKM-Zins (wie Aktiv)
  • Für Payer-Swap (Bank zahlt Festzins): KB = GKM-Zins – Swapzins (wie Passiv)

→ Glossar: Konditionsbeitrag & Strukturbeitrag

Was ist der Strukturbeitrag?

Der Strukturbeitrag ist das Ergebnis des internen Treasurys (Strukturbuchs) aus der Fristentransformation. Während der Vertrieb die Preisentscheidung am Kunden verantwortet (Konditionsbeitrag, brutto), verantwortet das Treasury die Zinsrisikoposition aus bewussten Inkongruenzen zwischen Aktiv- und Passivlaufzeiten.

Strukturbeitrag (EUR) =
Σ(Passiv: Volumen × Marktzins) – Σ(Aktiv: Volumen × Marktzins)
+ Σ(Swaps: Volumen × KB je nach Receiver/Payer)

Das Treasury „kauft" intern alle Aktiv-Positionen zum Marktzins (zahlt die Opportunitätsrendite) und „verkauft" alle Passiv-Positionen zum Marktzins (erhält die Opportunitätskosten). Die Differenz ist der Strukturbeitrag.

  • Positiver Strukturbeitrag: Normal bei aufwärts geneigter Zinskurve und langfristig refinanzierter Aktiv-Seite
  • Negativer Strukturbeitrag: Z. B. bei inverser Zinskurve oder wenn Passiv-Volumen das Aktiv-Volumen übersteigt
  • Im Beispielportfolio hat die Aktivseite (45 Mio., Ø 7 J.) längere Laufzeiten als die Passivseite (39 Mio., Ø 3,5 J.) – das Treasury verdient an der positiven Fristentransformation

→ Glossar: Konditionsbeitrag & Strukturbeitrag  |  → Glossar: Fristentransformation

Warum ist die Marktzinsmethode zentral für die integrierte Banksteuerung?

Die Marktzinsmethode ist der konzeptionelle Grundstein der integrierten Banksteuerung. Ohne verursachungsgerechte Ertragszurechnung ist eine sinnvolle Steuerung von Vertrieb und Treasury nicht möglich.

  • Transparenz: Jeder Bereich sieht seinen eigenen Beitrag – Vertrieb den Konditionsbeitrag (brutto), Treasury den Strukturbeitrag
  • Verzahnung: Vertriebsentscheidungen (z. B. Festzinskredit vs. variabler Kredit) wirken direkt auf die Risikoposition des Treasurys
  • Steuerungsimpulse: Ein negativer KB zeigt, wo Preisanpassungen nötig sind. Ein negativer Strukturbeitrag zeigt, wo das Treasury seine Positionierung überdenken muss
  • Verknüpfung mit Risikosteuerung: Aus der Fristentransformation entstehen IRRBB-Risiken (Zinsänderungsrisiken im Bankbuch), die in Phase 2 des Testlabors simuliert werden

Die Marktzinsmethode ist ein Knotenpunkt im Zusammenspiel von Ertrag, Risiko und Regulatorik: Sie verbindet Ertrag (KB), Risiko (Strukturbeitrag ↔ IRRBB) und Regulatorik (RTF-Auswirkungen). Wie Führung, Team und Organisation diese drei Dimensionen zusammenhalten, beschreibt das Whitepaper Triangulation in der Banksteuerung.

→ Glossar: Integrierte Steuerung  |  → Glossar: Marktzinsmethode

Konzeptioneller Hintergrund: Grundlagenartikel mit ausführlicher Mini-Fallstudie (3 Mrd. € Sparkasse, 8 Geschäftsfelder, Wasserfallgrafik): Marktzinsmethode am Beispiel einer Sparkasse →

Nächster Schritt – Phase 2: Testen Sie dieselbe Vermögensbilanz unter regulatorischen Stressszenarien: IRRBB-Simulation – Standardisierter Zinsschocktest →

Integrierte Perspektive – Phase 3: Alle drei Dimensionen auf einen Blick – KB, IRRBB, BPV, Duration Gap: Management Cockpit →