In der Organisationslogik dieser Serie verankert die Treasury-Funktion den Betriebskostensatz in der Produktkalkulation, so wie die übrigen Preisbestandteile; in anderen Häusern liegt die Einzelgeschäftskalkulation in der Gesamtbanksteuerung. Die Kostensätze kommen aus der Kostenrechnung, die Prozesszeiten von den Prozessverantwortlichen. Welcher Kostenmaßstab in der Steuerung gilt, ist eine Entscheidung der Banksteuerung; die Kostenrechnung liefert dafür Methodik, Datenbasis und Wirkungsanalyse.
„Warum bezahlt mein Kredit die Filiale in Neustadt?“
Kalkulationsrunde. Die Treasury-Funktion stellt die Betriebskostensätze für das neue Jahr vor: Firmenkundenkredit 0,25 PP, Baufinanzierung 0,20 PP, aus den Verwaltungsaufwendungen des Vorjahres, umgelegt auf das Kreditvolumen. Der Leiter Firmenkunden rechnet nach. Sein Zehnjahresdarlehen über 1 Mio. € trägt damit 2.500 € im Jahr, 25.000 € über die Laufzeit. Die Beratung hat einen Nachmittag gedauert, das Rating eine Stunde, die Grundschuld hat der Notar gemacht. „Warum bezahlt mein Kredit die Filiale in Neustadt?“
Die Frage ist berechtigt, und die Antwort ist nicht „weil die Umlage es so ergibt“. Die Antwort ist: weil die Bank entschieden hat, dass jeder Kredit einen Anteil an einem großen Kostenblock trägt, gemessen an seinem Volumen. Das ist eine Methode. Sie hat Gründe, und sie hat Folgen. Eine andere Methode hätte gesagt: Dieser Kredit beansprucht einen Nachmittag, eine Stunde und zehn Jahre Kontoführung, jeweils zu dem, was diese Arbeit in der Bank kostet, mit dem, was an den beteiligten Arbeitsplätzen daran hängt. Auch das hat Gründe und Folgen. Welche Methode gilt, ist die Steuerungsentscheidung hinter diesem Preisbestandteil, und sie wird selten als solche getroffen.
1. Betriebskosten haben keinen Marktpreis
Jeder bisherige Preisbestandteil der Serie hatte einen Anker außerhalb der Bank. Der Opportunitätszins kommt von der Swapkurve, die Liquiditätskosten von der Spreadkurve, die Adressrisikokosten aus Verbundverfahren, die Eigenkapitalkosten aus einer Kapitalstrategie, die sich an aufsichtlichen Anforderungen orientiert. Für alle gilt: Die Bank kann die Zahl nicht verhandeln, sie kann nur entscheiden, ob sie das Geschäft zu diesem Preis macht.
Betriebskosten sind anders. Sie stammen aus dem Verwaltungsaufwand der Bank, der in Summe bekannt ist; ihre Zurechnung auf einen einzelnen Kredit ist eine Konstruktion. Die Beratungsstunde lässt sich zurechnen, weil der Kredit sie beansprucht hat. Der Arbeitsplatz, an dem sie stattfand, die Führung des Beraters, die Systeme, die er benutzt hat: Auch das lässt sich zurechnen, wenn man es der Stunde als Gemeinkostenanteil zuschlägt; der Kredit hat es nicht im strengen Sinn verursacht, aber er hat es in Anspruch genommen. Der Vorstand, die Revision, das Meldewesen, die Filiale in einem anderen Stadtteil: Sie sind da, ob dieser Kredit abgeschlossen wird oder nicht, und kein Prozess des Kredits nimmt sie in Anspruch. Wer sie trotzdem umlegt, macht den Kredit zum Träger eines Kostenblocks, mit dem er nichts zu tun hat. Wer ihn mit den vollen Kosten seiner Prozesse belastet, macht ihn zum Träger dessen, was er beansprucht.
Daraus folgt, was diesen Artikel von den vorherigen unterscheidet: Es gibt keinen richtigen Betriebskostensatz. Es gibt Ansätze, die verschiedene Fragen beantworten, und die Bank muss wissen, welche Frage ihre Kalkulation beantworten soll. Der Ansatz ist keine Rechentechnik. Er legt fest, ob ein Kredit teuer oder billig aussieht, ob die Kalkulation in guten Zeiten Geschäft unattraktiv erscheinen lässt oder in schlechten Zeiten Kosten nie sichtbar macht, und auf welcher Ebene die Kosten verantwortet werden, die kein Kredit trägt.
2. Vier Ansätze, vier Fragen
| Ansatz | Frage | Rechnung | Wirkung auf den Preis | Wirkung auf das Verhalten |
|---|---|---|---|---|
| Pauschale Vollkosten- oder Volumenumlage | Welchen Anteil an einem definierten Kostenblock soll das Geschäft tragen? | Kostenblock (Gesamtbank, Geschäftsfeld oder Produkt) geteilt durch Volumen, in Prozentpunkten | je nach Kostenblock mittel bis hoch; enthält Kosten, die das Geschäft nicht beansprucht | kann Geschäfte gegenüber einer prozessorientierten Rechnung ungünstiger erscheinen lassen; der Satz steigt, wenn das Volumen sinkt |
| Grenzkosten | Welche Kosten entstehen zusätzlich, wenn dieses eine Geschäft dazukommt? | Nur die Kosten, die bei freier Kapazität durch den Kredit hinzukommen | niedrig | Ein Geschäft erscheint schon vorteilhaft, wenn es seine Zusatzkosten deckt; Kapazität und Struktur werden auf dieser Ebene nicht belastet |
| Standard-Einzelkostenrechnung | Welche standardisierten Leistungen beansprucht das Geschäft? | Normierte Bearbeitungszeiten und Verbrauchsmengen × Kostensätze; Kosten werden auf der Bezugsgrößenebene zugerechnet, auf der sie eindeutig zurechenbar sind, ohne Schlüsselung von Gemeinkosten | mittel, ohne Gemeinkostenanteile | Standardkosten machen Prozessqualität vergleichbar; Gemeinkosten bleiben auf höheren Ebenen sichtbar |
| Prozessbasierte Vollkostenkalkulation | Welche Prozessressourcen beansprucht das Geschäft, einschließlich der Gemeinkosten der Einheiten, die sie erbringen? | Prozessschritte × Standardzeit × Kostensatz, einmalig und laufend, plus definierte Gemeinkostenanteile der beteiligten Einheiten | mittel; volumenunabhängig, daher in Prozentpunkten größenabhängig | Der Kredit trägt seine Prozesse vollständig; Prozessverbesserung wird sichtbar; Kosten außerhalb der Prozesse bleiben bei Geschäftsfeld und Gesamtbank |
Die klassische Referenz der Bankkalkulation ist die Standard-Einzelkostenrechnung: Sie bewertet normierte Zeiten mit Kostensätzen und rechnet jedem Geschäft zu, was ihm auf seiner Ebene eindeutig zugeordnet werden kann; Gemeinkosten werden nicht geschlüsselt, sondern auf der nächsthöheren Bezugsgröße geführt. Die Serie geht einen Schritt weiter: Sie rechnet prozessbasiert zu Vollkosten. Das Darlehen trägt alle Kosten der Prozesse, die es beansprucht, und dazu die definierten Gemeinkostenanteile der Einheiten, die diese Prozesse erbringen. Was es nicht trägt, sind die Kosten der Bank, die mit seinen Prozessen nichts zu tun haben; die werden nicht auf Kredite verteilt, sondern auf der Ebene verantwortet, auf der sie zurechenbar sind (Abschnitt 5, Artikel 10).
Das ist eine Entscheidung, keine Wahrheit. Ein Haus, das die Volumenumlage nimmt, will, dass jedes Geschäft seinen Anteil an einem Kostenblock verdient, und nimmt in Kauf, dass die Kalkulation Geschäft unattraktiv zeigt, das die Bank besser gestellt hätte. Ein Haus, das Grenzkosten nimmt, will Kapazität füllen und nimmt in Kauf, dass Prozess und Struktur in keiner Einzelgeschäftskalkulation vollständig vorkommen. Die prozessbasierte Vollkostenkalkulation liegt dazwischen, mit einem klaren Prinzip: Der Kredit trägt die Prozesse, die er beansprucht, vollständig, und nichts, was er nicht beansprucht.
3. Rechenbeispiel am Zehnjahresdarlehen
Musterdarlehen 2, Firmenkundenkredit 1 Mio. €, zehn Jahre, endfällig. Die Prozesskosten in der Beispiel-Welt, als synthetische Standardkosten eines typischen Falles:
| Prozess | Schritte | Kostensatz | Kosten |
|---|---|---|---|
| Abschluss (einmalig) | Beratung, Ratingerfassung, Votum Markt und Marktfolge, Sicherheitenbestellung, Vertrag, Auszahlung | Standardzeiten × Personalkostensatz (Personalkosten einschließlich Nebenkosten, ohne Gemeinkosten) | 2.000 € |
| Bestandsführung (laufend) | Kontoführung, jährliche Ratingaktualisierung, Sicherheitenüberwachung, Jahresgespräch, Meldungen | Standardzeiten × Personalkostensatz | 200 €/J |
| Overhead der beteiligten Einheiten (laufend) | Führung, Arbeitsplatz, Systeme der Einheiten, die den Kredit betreuen | Gemeinkostenanteil, der nicht im Personalkostensatz enthalten ist | 200 €/J |
| Summe über zehn Jahre | 6.000 € | ||
| Je Jahr, linear verteilt | 600 € = 0,06 PP |
Die Kostensatzarchitektur ist der Punkt, an dem eine Vollkostenkalkulation sauber oder doppelt wird: Die Personalkostensätze der Beispiel-Welt enthalten keine Gemeinkosten, deshalb kommt der Overhead separat dazu. Wer mit Vollkostenstundensätzen rechnet, die Führung, Arbeitsplatz und Systeme bereits enthalten, setzt keinen zweiten Overhead an.
Sechs Basispunkte. Für die periodische Darstellung sind die 2.000 € Abschlusskosten linear auf zehn Jahre verteilt. Barwertig, mit den Diskontfaktoren der Swapkurve, sind es 2.000 € heute plus 400 € × 8,547619 = 5.419 €, was einem gleichbleibenden Jahresbetrag von 634 € oder 0,063 PP entspricht. Die Serie zeigt die lineare Zahl, weil der Wasserfall periodisch liest. Das Kreditbeispiel zeigt beides: im Wasserfall die lineare Zahl, in einer eigenen Kachel den Barwert.
Zum Vergleich die beiden Ansätze, die die Serie nicht verwendet, am selben Kredit und ebenfalls synthetisch: Volumenumlage der Verwaltungsaufwendungen des Kreditgeschäfts 0,25 PP, also 2.500 € im Jahr. Grenzkosten 0,02 PP, also 200 € im Jahr, weil bei freier Kapazität nur Sachkosten und Notar zusätzlich anfallen. Zwischen der billigsten und der teuersten Darstellung liegt am selben Kredit mehr als das Zehnfache.
| Prozessbasierte Vollkosten | Volumenumlage | Grenzkosten | |
|---|---|---|---|
| Betriebskosten p. a. | 0,06 PP = 600 € | 0,25 PP = 2.500 € | 0,02 PP = 200 € |
| Nettomarge nach Kapital (besichert) | −0,574 PP | −0,574 PP | −0,574 PP |
| Nettomarge nach Betriebskosten | −0,634 PP = −6.340 € | −0,824 PP = −8.240 € | −0,594 PP = −5.940 € |
| Kalkulatorische Preisuntergrenze | 4,73 % | 4,92 % | 4,69 % |
Der Kredit war nach Kapital bereits negativ; der Ansatz ändert daran nichts, aber er ändert, wie weit. Die kalkulatorische Preisuntergrenze nach der Steuerungslogik dieser Serie liegt bei 4,73 %; unbesichert bei 5,20 %. Mit der Volumenumlage wäre sie 4,92 %. Der Unterschied von 19 Basispunkten ist kein Rechenfehler, sondern die Methodenentscheidung, in Preis übersetzt.
Damit ist die Kette der Serie vollständig: Vom Kundenzins 4,10 % gehen Opportunitätszins 3,20, Liquidität 0,75, Adressrisiko 0,10, Eigenkapital 0,624 und Betriebskosten 0,06 ab. Es bleiben −0,634 Prozentpunkte. Der Zehnjahreskredit zu 4,10 % ist zu diesem Preis kein Geschäft, das seine Bestandteile deckt. Ob die Bank ihn trotzdem macht, und mit welcher Begründung, ist die Frage von Artikel 10.
4. Größe und Laufzeit: Wo Prozesskosten anders wirken als alle anderen Bestandteile
Alle bisherigen Preisbestandteile sind Prozentsätze auf das Volumen. Prozesskosten sind Eurobeträge je Kredit. Das hat drei Folgen, die in Prozentpunkten unsichtbar sind und in Euro entscheidend.
Größe. Unter der Modellannahme eines identischen Standardprozesses durchläuft dasselbe Darlehen über 100.000 € statt 1 Mio. € dieselbe Beratung, dasselbe Rating, dieselbe Sicherheitenbestellung, dieselbe Kontoführung. 2.000 € Abschluss und 400 € im Jahr bleiben, aber sie treffen ein Zehntel des Volumens. Aus 0,06 PP werden 0,60 PP. In Euro sind beide Kredite gleich teuer; je Euro Kreditvolumen trägt der kleine zehnmal so viel, und seine kalkulatorische Preisuntergrenze liegt gut einen halben Prozentpunkt höher. In der Praxis unterscheiden sich die Prozesse nach Größenklasse, etwa durch Kompetenzstufen, Zweitvotum oder Analysetiefe; die Degression bleibt, sie ist nur nicht exakt ein Faktor zehn. Die Volumenumlage verschleiert sie ganz: Sie gibt beiden Krediten 0,25 PP und sagt damit, der kleine Kredit trage je Euro dasselbe wie der große. Er trägt mehr.
Laufzeit. Der Abschluss kostet einmal. Im Beispiel verteilt ein Zehnjahresdarlehen 2.000 € auf zehn Jahre, ein Fünfjahresdarlehen auf fünf. In Prozentpunkten je Jahr: 0,06 gegen 0,08. Zehn Jahre sind in dieser Serie bisher immer der teurere Fall gewesen, bei Liquidität, Adressrisiko, Kapital. Bei den Betriebskosten sinkt der annualisierte Satz mit der Laufzeit, weil sich die Abschlusskosten auf mehr Jahre verteilen; das gilt für das Beispiel und überall dort, wo längere Kredite nicht zusätzliche Überwachungs- oder Reviewschritte auslösen.
Tilgung. Beim Ratendarlehen fällt die Restschuld, die Prozesskosten fallen nicht: Kontoführung, Ratingaktualisierung und Sicherheitenüberwachung kosten im zehnten Jahr dasselbe wie im ersten, auf 100.000 € Restschuld statt auf 1 Mio. €. Auf die Restschuld bezogen (zehn Tranchen zu 100.000 € mit Laufzeiten von einem bis zehn Jahren, zusammen 5,5 Mio. €·Jahre, Artikel 2) sind es 6.000 € / 5,5 Mio. €·J = 0,11 PP. Der Ratenkredit trägt in Prozentpunkten fast doppelt so hohe Betriebskosten wie der endfällige. Im Kreditbeispiel werden die Betriebskosten deshalb je Kredit in Euro eingegeben, über die Volumen-Jahre in Prozentpunkte übersetzt und zusätzlich als Barwert ausgewiesen. Einen festen Satz auf die Restschuld gibt es dort nicht.
5. Was kein Kredit trägt: Deckungsbeitragsstufen
Wenn die Kalkulation prozessbasiert zu Vollkosten rechnet, bleibt ein Rest: die Kosten der Bank, die kein Kreditprozess beansprucht. Gebäude ohne Prozessbezug, Vorstand, Stäbe, Revision, Meldewesen, die IT-Grundlast, die auch ohne Kreditgeschäft liefe. Die Bank muss ihn verdienen, und sie muss entscheiden, wo. Die Antwort der Serie ist eine gestufte Deckungsbeitragsrechnung, deren Grundgedanke die Bezugsgrößenhierarchie ist: Jede Kostenart wird auf der niedrigsten Ebene geführt, auf der sie eindeutig zurechenbar ist, und keine tiefer.
| Stufe (Bezeichnung dieser Serie) | Was abgezogen wird | Was die Stufe sagt | Ebene |
|---|---|---|---|
| Nettomarge nach Kapital | Opportunitätszins, Liquidität, Adressrisiko, Eigenkapital | Verdient der Kredit seine Marktpreise und seine Kapitalstrategie? | Einzelgeschäft |
| Deckungsbeitrag I | Kosten, die dem Einzelgeschäft über die definierten Prozesse und deren Kapazitätsinanspruchnahme zurechenbar sind, zu Vollkosten | Verdient der Kredit die Prozesse, die er beansprucht? | Einzelgeschäft |
| Deckungsbeitrag II | Kosten, die erst dem Geschäftsfeld als Ganzem zurechenbar sind (Spezialisten, Steuerung, Systeme ohne messbare Inanspruchnahme je Geschäft) | Verdient das Geschäftsfeld seine Struktur? | Geschäftsfeld |
| Deckungsbeitrag III | Kosten, die erst der Gesamtbank zurechenbar sind | Verdient die Bank ihre Existenz? | Gesamtbank |
Die Nummerierung ist die dieser Serie; in der klassischen Bankliteratur ist DB I oft der Konditionsbeitrag und DB III erst das Ergebnis nach Standard-Einzelkosten. Entscheidend ist nicht die Nummer, sondern die Regel, wo die Grenze verläuft: Deckungsbeitrag I enthält nur, was über die Kreditprozesse dem einzelnen Geschäft zurechenbar ist. Ein System der Kreditabteilung gehört in Stufe I, wenn seine Inanspruchnahme je Geschäft messbar ist, und in Stufe II, wenn nicht. Was erst dem Geschäftsfeld zurechenbar ist, wird erst dort belastet.
Die Stufen sind keine Buchhaltung, sondern Zuständigkeit. Deckungsbeitrag I ist die Größe, an der das Kundengeschäft gemessen wird; er enthält, was der Kredit beansprucht, zu vollen Kosten, und nichts, was erst einer höheren Ebene zurechenbar ist. Deckungsbeitrag II gehört der Geschäftsfeldsteuerung: Sie entscheidet über Struktur und Kapazität des Feldes und verantwortet deren Kosten. Deckungsbeitrag III gehört der Gesamtbank. Wer die Volumenumlage in die Kalkulation nimmt, zieht Stufe II und III in Stufe I hinein, macht das Kundengeschäft für Strukturentscheidungen verantwortlich, die es nicht trifft, und verliert die Information, auf welcher Ebene das Problem liegt, wenn eine Stufe negativ wird.
Hier verbindet sich die Methodenwahl mit der Kapitalfrage aus Artikel 7. Die Geschäftsfeldsteuerung fragt, welches Feld seinen Kapitalverbrauch verdient. Sie muss dieselbe Frage für die Strukturkosten stellen, und sie kann es nur, wenn die Kalkulation die Strukturkosten nicht schon auf die Kredite verteilt hat. Prozessbasierte Vollkosten in der Vorkalkulation und Strukturkosten in den Deckungsbeitragsstufen sind zwei Seiten derselben Entscheidung: Jede Ebene trägt, was ihr zurechenbar ist, und jede Ebene ist für das verantwortlich, was sie trägt.
Der typische Fehler
Der Betriebskostensatz ist eine Volumenumlage: Verwaltungsaufwand des Vorjahres geteilt durch Kreditvolumen, in Prozentpunkten, für alle Kredite gleich. Das ist bequem, und es hat zwei Schwächen eingebaut.
Die erste ist die Spirale. Sinkt das Volumen, steigt der Satz, weil derselbe Kostenblock auf weniger Kredite trifft. Die kalkulatorische Preisuntergrenze steigt mit, die Kalkulation zeigt zusätzliches Geschäft unattraktiver, als es ist, die Bank verliert es an günstigere Wettbewerber oder lehnt es ab, das Volumen sinkt weiter, der Satz steigt weiter. Die Umlage belastet die Bank für jeden Kredit, den sie nicht macht, in der Kalkulation des nächsten. Prozesskosten haben diesen Mechanismus nicht: Sie hängen am Prozess, nicht am Volumen der anderen.
Die zweite ist die Unsichtbarkeit der Größe. In Prozentpunkten trägt jeder Kredit denselben Satz, und die Bank sieht nicht, dass ihre kleinen Firmenkundenkredite je Euro Volumen erheblich mehr Betriebskosten tragen als ihre großen. Sie sieht es erst, wenn jemand die Prozesskosten in Euro rechnet und durch das Volumen teilt. Dann stellt sich heraus, dass ein Segment, das in der Umlage unauffällig war, seinen Deckungsbeitrag I nicht erreicht.
Beide Schwächen haben dieselbe Wurzel: Die Bank hat den Ansatz nicht gewählt. Sie hat die Umlage übernommen, weil sie einfach zu bilden war, und nie gefragt, welche Frage sie damit beantwortet.
Mindestausweis: Betriebskosten im Steuerungsreport
Eine Seite, jährlich mit der Kalkulationsrunde, unterjährig bei Prozessänderungen.
| Zeile | Inhalt | Liefert |
|---|---|---|
| 1 | Ansatz der Vorkalkulation (prozessbasierte Vollkosten) und Kostensatzarchitektur: Personalkostensätze, Gemeinkostenanteile, Prozesszeiten, Datum der letzten Erhebung | Integrierte Steuerung – Treasury-Funktion, mit Kostenrechnung und Prozessverantwortlichen |
| 2 | Prozesskosten je Produkt: Abschluss einmalig, Bestandsführung und Overhead laufend, in Euro; Veränderung zum Vorjahr mit Grund | Kostenrechnung |
| 3 | Betriebskosten in Prozentpunkten je Größenklasse und Laufzeit (Beispiel: 100 Tsd. / 500 Tsd. / 1 Mio.; 5 J / 10 J) | Integrierte Steuerung – Treasury-Funktion |
| 4 | Deckungsbeitrag I des Neugeschäfts je Geschäftsfeld; Anteil des Neugeschäfts mit negativem Deckungsbeitrag I | Integrierte Steuerung – Treasury-Funktion (Nachkalkulation) |
| 5 | Deckungsbeitrag II je Geschäftsfeld gegen dessen Strukturkosten; Kapazitätsauslastung der Prozesse | Integrierte Steuerung – Kapitalmanagement-Funktion (in der Serie: Geschäftsfeldsteuerung) |
| 6 | Deckungsbeitrag III der Gesamtbank; nicht auf Prozesse zurechenbare Kosten in Euro | Integrierte Steuerung – Kapitalmanagement-Funktion |
| 7 | Prozessverbesserungen mit Wirkung auf Zeile 2: umgesetzt, geplant, Effekt in Euro je Kredit | Prozessverantwortliche |
Zeile 3 ist die, die die Umlage nicht liefern kann und die die Diskussion aus dem Einstieg ersetzt. Zeile 7 macht den Prozess zur Stellgröße: Wer die Betriebskosten senken will, verbessert den Prozess, nicht die Umlage.
Prüffragen für Ihr Haus
- Mit welchem Ansatz rechnet Ihre Vorkalkulation die Betriebskosten, und ist das eine bewusste Entscheidung oder das, was sich am einfachsten bilden ließ?
- Kennen Sie die Prozesskosten eines Firmenkundenkredits in Euro, einmalig und laufend, und wissen Sie, ob Ihre Kostensätze Gemeinkosten bereits enthalten?
- Rechnet Ihr Haus Betriebskosten in Prozentpunkten für alle Kredite gleich, oder sehen Sie, dass ein Kredit über 100.000 € je Euro ein Vielfaches dessen trägt, was einer über 1 Mio. € trägt?
- Wo werden die Kosten verdient, die kein Kreditprozess beansprucht, und wer ist für sie verantwortlich?
- Ist Ihre Deckungsbeitragsrechnung gestuft, und wird das Kundengeschäft an der Stufe nach Prozesskosten gemessen oder an einer Umlagemarge?
- Was passiert mit Ihrem Betriebskostensatz, wenn das Kreditvolumen um zehn Prozent sinkt?
- Hat eine Prozessverbesserung in Ihrem Haus je einen Kalkulationssatz gesenkt?
Häufige Fragen
Was sind Stück- und Betriebskosten in der Kreditkalkulation?
Der Anteil der Verwaltungsaufwendungen der Bank, der einem einzelnen Kredit zugerechnet wird: Beratung, Rating, Sicherheiten, Vertrag, Kontoführung, Überwachung und, je nach Ansatz, Gemeinkostenanteile der Einheiten, die das leisten. Anders als die übrigen Preisbestandteile haben sie keinen Marktpreis; ihre Höhe hängt vom Ansatz ab, mit dem die Bank sie zurechnet.
Warum ist der Ansatz eine Steuerungsentscheidung?
Weil er festlegt, welche Frage die Kalkulation beantwortet und welches Verhalten sie nahelegt. Die Volumenumlage fragt, welchen Anteil an einem Kostenblock das Geschäft trägt, und lässt den Satz steigen, wenn das Volumen sinkt. Grenzkosten fragen, was ein zusätzlicher Kredit kostet, und belasten Kapazität und Struktur auf dieser Ebene nicht. Standard-Einzelkosten und prozessbasierte Vollkosten fragen, was der Kredit beansprucht, und machen Größe und Prozessqualität sichtbar. Welche Frage gelten soll, ist keine Rechentechnik.
Mit welchem Ansatz rechnet die Serie?
Prozessbasiert zu Vollkosten: Abschlussprozess einmalig, Bestandsführung laufend, jeweils Standardzeiten mal Personalkostensatz, dazu die Gemeinkostenanteile der beteiligten Einheiten, die im Personalkostensatz nicht enthalten sind. Der Kredit trägt die Prozesse, die er beansprucht, vollständig. Kosten ohne Prozessbezug werden nicht auf Kredite verteilt, sondern in Deckungsbeitragsstufen auf der Ebene geführt, auf der sie zurechenbar sind.
Was ist der Unterschied zur Standard-Einzelkostenrechnung?
Die Standard-Einzelkostenrechnung bewertet normierte Zeiten mit Kostensätzen und rechnet jedem Geschäft nur zu, was ihm auf seiner Ebene eindeutig zuzuordnen ist; Gemeinkosten werden nicht geschlüsselt. Die prozessbasierte Vollkostenkalkulation der Serie nimmt zusätzlich die definierten Gemeinkostenanteile der Einheiten hinzu, die die Prozesse erbringen. Beide arbeiten mit Standardzeiten und beide führen Kosten ohne Prozessbezug auf höheren Ebenen.
Warum sind Betriebskosten in Prozentpunkten größenabhängig?
Weil der Prozess je Kredit anfällt, nicht je Euro Volumen. Bei identischem Standardprozess durchläuft ein Kredit über 100.000 € dieselbe Beratung, dasselbe Rating und dieselbe Kontoführung wie einer über 1 Mio. €; in Euro kostet er dasselbe, je Euro Volumen das Zehnfache. Eine Umlage in Prozentpunkten macht diesen Unterschied unsichtbar.
Warum wird das Zehnjahresdarlehen bei den Betriebskosten günstiger, nicht teurer?
Weil der Abschlussprozess einmal anfällt und sich auf die Laufzeit verteilt. Bei Liquidität, Adressrisiko und Kapital kostet die lange Laufzeit mehr; bei den Betriebskosten sinkt im Beispiel der annualisierte Satz mit der Laufzeit. Das gilt, solange längere Kredite keine zusätzlichen Überwachungsschritte auslösen.
Was ist der Unterschied zwischen Deckungsbeitrag I, II und III?
In der Stufenlogik dieser Serie: Deckungsbeitrag I ist die Marge des Kredits nach allen Bestandteilen, die ihm über seine Prozesse zurechenbar sind, zu Vollkosten; an ihm wird das Kundengeschäft gemessen. Deckungsbeitrag II zieht die Kosten ab, die erst dem Geschäftsfeld zurechenbar sind, und gehört der Geschäftsfeldsteuerung. Deckungsbeitrag III zieht die Gesamtbank-Kosten ab. Die Nummerierung ist in der Bankpraxis nicht einheitlich; die Regel dahinter ist die Bezugsgrößenhierarchie.
Weiter in der Serie
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