IRRBB-Simulation: Standardisierter Zinsschocktest
ΔEVE und ΔNII unter den sechs EBA-Zinsszenarien berechnen – mit editierbarem Testportfolio, Zinskurven-Overlay, Ampel-Indikator und Detailtabelle. Vollständig im Browser, keine Anmeldung.
Diese Vermögensbilanz kennen Sie bereits aus Phase 1 – Marktzinsmethode. Dort haben Sie Konditions- und Strukturbeitrag jeder Position berechnet. Hier sehen Sie nun, wie dieselbe Vermögensbilanz unter regulatorischen Stressszenarien reagiert.
Parameter
Die fiktiven Eigenmittel dienen als Referenzgröße für den SOT-Schwellenwert (15 %). Im echten SOT ist die maßgebliche Bezugsgröße das Tier-1-Kapital (CET1 + AT1) gemäß CRR — dieses Testlabor spricht der Einfachheit halber von „Eigenmitteln".
Basis-Zinskurve (editierbar). Auf Basis dieser Kurve werden die EBA-Schocks aufgebracht und alle Barwerte berechnet.
| Laufzeit | Basiszins (% p.a.) |
|---|
Vermögensbilanz aus Phase 1 (editierbar). Volumen in Mio. EUR. Restlaufzeit in Jahren (bestimmt die Barwertsensitivität).
| # | Bezeichnung | Typ | Vol. (Mio.) | Zins (%) | Restlz. (J.) |
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SOT-Ergebnis – Barwertperspektive (EVE)
Zinskurven-Overlay – Basis + alle 6 EBA-Szenarien
ΔEVE-Detailtabelle je Position und Szenario
ΔEVE je Szenario (Tsd. EUR)
SOT-Ergebnis – Ertragsperspektive (NII, 1-Jahres-Horizont)
ΔNII je Szenario (Tsd. EUR)
Fachliche Hintergründe
Was ist IRRBB und der Standardisierte Zinsschocktest (SOT)?
IRRBB (Interest Rate Risk in the Banking Book) bezeichnet das Zinsänderungsrisiko aus dem Bankbuch – also aus festverzinslichen Krediten, Einlagen und Wertpapieren, die nicht zum Handelsbuch gehören.
Der Standardisierte Zinsschocktest (SOT) ist der regulatorische Kerntest für IRRBB. Methodische Grundlage ist EBA/GL/2022/14; die verbindliche EUR-Kalibrierung und der Post-Schock-Floor stehen in der Delegierten Verordnung (EU) 2024/856 (finale RTS auf Supervisory Outlier Tests). Er misst, wie stark der Barwert (EVE) und der Zinsertrag (NII) einer Bank unter standardisierten Zinsszenarien reagieren.
- SOT EVE: |ΔEVE| ≥ 15 % des Tier-1-Kapitals im Worst-Case der sechs EBA-Szenarien → "Outlier Bank" (Frühwarnindikator)
- SOT NII: |ΔNII| ≥ 5 % des Tier-1-Kapitals über 12 Monate im Worst-Case der beiden Parallel-Szenarien (Art. 5 DelVO 2024/856) – parallel zum EVE-SOT geprüft
- Der jeweilige Worst-Case (EVE bzw. NII) über alle Szenarien ist die meldepflichtige Kennzahl
Die sechs EBA-Zinsszenarien erklärt
- Parallel Up +200 Bp über alle Laufzeiten. Belastet Festzinsaktiva (Barwertverlust). Klassisches Rising-Rate-Szenario.
- Parallel Down −200 Bp über alle Laufzeiten. Belastet Passiva mit langer Bindung (z. B. Festzinskredite aus Kundensicht). Relevant für Negativzinsumfeld.
- Short Up Starker Anstieg am kurzen Ende (+250 BP am Overnight-Punkt, exponentiell abklingend mit K = 4 Jahren – z. B. ~+195 BP bei 1 J, ~+21 BP bei 10 J, ≈ 0 BP am 30-J-Punkt). Simuliert einen Notenbankschock.
- Short Down Spiegelbild von Short Up (−250 BP am Overnight-Punkt, K = 4 Jahre). Typisch: Rezessionsreaktion der Notenbank.
- Steepener Kurzes Ende fällt (~ −162 BP am Overnight-Punkt), langes Ende steigt (~ +90 BP am 30-J-Punkt). Kombination aus −0,65·sshort(t) und +0,90·slong(t). Belastet Banken mit kurzer Passiv- und langer Aktivseite.
- Flattener Kurzes Ende steigt (~ +200 BP am Overnight-Punkt), langes Ende fällt (~ −60 BP am 30-J-Punkt). Kombination aus +0,80·sshort(t) und −0,60·slong(t). Belastet Transformationsgeschäft.
Die Schockwerte entsprechen der EUR-Kalibrierung nach Delegierter Verordnung (EU) 2024/856, Anhang A (SPAR = 200 BP, SSHORT = 250 BP, SLONG = 100 BP, Decay-Konstante K = 4 Jahre). Post-Schock-Floor laufzeitabhängig gemäß Art. 3 Abs. 7: −1,50 % am Overnight-Punkt, linearer Anstieg um 3 BP je Laufzeitjahr, 0 % ab 50 Jahren.
EVE vs. NII – zwei Perspektiven, ein Risiko
EVE (Economic Value of Equity) ist die Barwertperspektive: Wie verändert sich der Marktwert des Eigenkapitals bei Zinsschwankungen? EVE = Barwert aller Aktiva − Barwert aller Passiva. ΔEVE zeigt die langfristige Substanzwirkung.
NII (Net Interest Income) ist die Ertragsperspektive: Wie hoch ist der Zinsüberschuss im nächsten Jahr? ΔNII zeigt den kurzfristigen P&L-Effekt, also was im nächsten Jahresabschluss sichtbar wird.
ΔEVE(Szenario) = BW(Szenario) − BW(Basis)
ΔNII(Szenario) = NII(Szenario) − NII(Basis)
BW = Σ [ CF_t / (1 + r_t/100)^t ] (je Position)
Eine typische Festzinsbank (lange Aktiva, kurze Passiva) hat bei steigenden Zinsen ein negatives ΔEVE (Barwertverlust) und ggf. ein positives ΔNII (höhere Wiederanlagerendite auf kurzlaufende Passiva). Das regulatorische Hauptaugenmerk liegt auf ΔEVE.
→ Glossar: Barwert | → Glossar: NII | → Glossar: Fristentransformation
Wie berechnet dieses Testlabor EVE und NII?
Cashflow-Modellierung: Jede Position wird als endfälliges Instrument modelliert: jährliche Zinszahlungen (Zins × Volumen) für die Restlaufzeit, Tilgung im Endjahr. Aktiv- und Passivpositionen werden gleich behandelt; das Vorzeichen ergibt sich aus der Rolle (Aktiv: Bank empfängt, Passiv: Bank zahlt).
Barwertberechnung: Die Cashflows werden mit dem entsprechenden Punktezinssatz der Basis- bzw. geschockten Zinskurve diskontiert (lineare Interpolation zwischen Stützstellen).
EBA-Schock: Die Schockwerte (in BP) werden auf die Basiskurve addiert. Post-Schock-Floor laufzeitabhängig gemäß Art. 3 Abs. 7 DelVO 2024/856: floor(t) = min(0 ; −1,50 % + 0,03 % · t) — Floor-Ausnahme: liegt der Basiszins bereits unter dem Floor, wird der Basiszins als effektiver Floor genutzt (der Floor darf nicht zu einer Zinsanhebung führen).
NII-Berechnung: NII Basis = Σ(Aktiv-Zinszahlungen Jahr 1) − Σ(Passiv-Zinszahlungen Jahr 1). Positionen mit Restlaufzeit ≤ 1 Jahr werden prolongiert: Das Volumen wird zum geschockten Zinssatz (interpoliert auf 1 Jahr) neu bepreist. Alle anderen Positionen behalten ihren Festzins.
Dies ist eine Vereinfachung. In der Praxis werden weitere Effekte berücksichtigt: Zinsanpassungsoptionen, Commercial Margins, NMD-Modellierung (Non-Maturity Deposits), Prepayment-Risiken und Tageskonventionen.
Praxisrelevanz für Sparkassen und regionale Banken
Regionale Banken und Sparkassen sind besonders zinssensitiv: Sie betreiben klassische Fristentransformation (kurze Einlagen finanzieren lange Kredite) und haben oft einen hohen Anteil an festverzinslichen Privatkundenkrediten. Das Niedrigzinsumfeld 2015–2022 hat viele Institute in ein strukturelles ΔEVE-Risiko geführt.
- Der SOT wird jährlich gemeldet und ist Teil des ICAAP (Internal Capital Adequacy Assessment Process)
- Sparkassen und Genossenschaftsbanken unterliegen nationaler Aufsicht (BaFin + Bundesbank), die SOT-Ergebnisse fließen in SREP-Bewertungen ein
- Outlier-Status kann zu Pillar-2-Aufschlägen führen – das direkte Verbindungsstück zwischen Marktrisiko und Eigenkapitalplanung
- Steuerungsmaßnahmen: Zinsswaps, Covered Bonds, Anpassung der Zinsbindungsstruktur im Neugeschäft
→ Glossar: IRRBB | → EVE | → NII | → ICAAP | → ILAAP | → SREP
Integrierte Perspektive – Phase 3: Konditionsbeitrag, IRRBB, BPV und Duration Gap auf einen Blick: Management Cockpit →
Über die EBA-Szenarien hinausdenken – Phase 4: Im Szenariomaker eigene Marktszenarien mit Eintrittswahrscheinlichkeiten erstellen und bimodale Risikoverteilungen visualisieren: Szenariomaker →
IRRBB-Grundlagen nachlesen: EVE, NII, EBA-Szenarien und SOT – alles in einem Leitfaden: IRRBB einfach erklärt →
Häufige Fragen
Was ist der Standardisierte Zinsschocktest (SOT)?
Der SOT ist ein von der EBA vorgeschriebener regulatorischer Test zur Messung des Zinsänderungsrisikos im Anlagebuch. Banken berechnen ΔEVE unter sechs Standardszenarien und ΔNII unter den beiden Parallel-Szenarien (Parallel Up / Parallel Down) und melden das Ergebnis der Aufsicht. Es gibt zwei parallele Schwellenwerte: |ΔEVE| ≥ 15 % des Tier-1-Kapitals und |ΔNII| ≥ 5 % des Tier-1-Kapitals (12-Monats-Horizont; Kalibrierung nach Delegierter Verordnung (EU) 2024/856, Anhang A und Art. 5). Wird einer der beiden überschritten, gilt die Bank als „Outlier Bank" — ein aufsichtlicher Signalstatus, der zu vertiefter aufsichtlicher Erörterung führt, nicht zu automatischen Sanktionen.
Was passiert, wenn eine Bank den SOT-Schwellenwert überschreitet?
Überschreitet die Bank einen der beiden SOT-Schwellenwerte – 15 % des Tier-1-Kapitals beim EVE-SOT oder 5 % beim NII-SOT –, qualifiziert sie als „Outlier Bank". Die Überschreitung führt nicht automatisch zu Sanktionen, löst aber aufsichtliche Aufmerksamkeit aus — die Aufsichtsbehörde (z. B. BaFin oder EZB) kann erhöhte Eigenkapitalanforderungen (Pillar 2) stellen, verstärkte aufsichtliche Überwachung anordnen oder ein verbessertes IRRBB-Management einfordern. Der Outlier-Status fließt in die SREP-Bewertung ein.
Warum gibt es sechs verschiedene Zinsszenarien?
Verschiedene Portfolios reagieren unterschiedlich auf die Form der Zinskurvenveränderung. Parallele Schocks treffen alle Laufzeiten gleichmäßig, während Short-Schocks nur das kurze Ende bewegen und Steepener/Flattener die Kurvenform verändern. Nur durch alle sechs Szenarien wird das Risiko vollständig erfasst.
Was ist der Unterschied zwischen EVE und NII?
EVE (Economic Value of Equity) misst die Barwertveränderung des Eigenkapitals – eine langfristige Substanzperspektive. NII (Net Interest Income) misst den Effekt auf den Zinsüberschuss im nächsten Jahr – eine kurzfristige Ertragsperspektive. Beide Perspektiven ergänzen sich und können gegenläufig sein.
Wie berechnet sich ΔEVE?
ΔEVE = BW(Szenario) − BW(Basis). Der Barwert einer Position ergibt sich durch Diskontierung aller Cashflows mit der jeweiligen Zinskurve: BW = Σ CF_t / (1 + r_t/100)^t. Bei steigenden Zinsen sinkt der Barwert langer Festzinsaktiva – typischerweise ergibt sich ein negatives ΔEVE für Festzinsbanken.