Liquiditäts-Cashflow und Liquiditäts-Strukturbeitrag

Der Kredit ist kalkuliert, der Konditionsbeitrag steht, die Liquiditätskosten sind verrechnet. Damit ist die Kalkulation fertig. Entschieden hat die Bank aber noch nichts. Denn das Kundengeschäft hat mit dem Transferpreis nur bezahlt, dass ihm zehn Jahre Liquidität zur Verfügung stehen. Ob die Bank diese zehn Jahre tatsächlich einkauft, ob sie die Liquidität kürzer stellt oder ob sie gar nicht darüber entscheidet, weil die Position gegen die modellierten Einlagen einfach mitläuft: Das ist die zweite Steuerungsentscheidung hinter jedem Kredit. Sie erzeugt den Liquiditäts-Strukturbeitrag, und sie erzeugt das Rollrisiko. Dieser Artikel zeigt, warum beides selten bewusst entschieden wird, welche Instrumente zur Wahl stehen und was das am Zehnjahresdarlehen in Euro bedeutet.

Die disponierende Funktion, die diese Entscheidung trifft, heißt in der Fachsprache Treasury. In der Integrierten Steuerung ist sie keine Handelsabteilung, sondern die Funktion, die Zinsbuch- und Liquiditätsposition der Gesamtbank innerhalb der vom Vorstand gesetzten Limite führt, auf der Grundlage der Kennzahlen, die das Risikomanagement liefert.

Zwei Cashflows, eine Sitzung

Dienstagvormittag, Dispositionsrunde. Auf dem Tisch liegt der Wochenreport des Zinsbuchs: Barwert, Sensitivität, Abstand zur Benchmark, alles im Limit. Der Leiter der Integrierten Steuerung fragt nach der Liquiditätsposition. Die Antwort: „Steht in der Ablaufbilanz, LCR bei 165 %, NSFR bei 118 %, alles grün.“

Das beantwortet die Frage, ob die Bank die aufsichtlichen Kennzahlen einhält. Es beantwortet nicht die Frage, die gestellt wurde: Welche Liquiditätsposition hält die Bank, mit welcher Absicht, und was verdient oder kostet sie damit? Das Zinsbuch hat einen Cashflow, eine Benchmark, ein Limit und einen Strukturbeitrag. Der Liquiditäts-Cashflow hat eine Ablaufbilanz und zwei Quoten.

Genau da setzt dieser Artikel an. Artikel 2 hat gezeigt, dass jeder Kredit zwei Cashflows hat: einen Zinsbindungs-Cashflow und einen Kapitalbindungs-Cashflow. Artikel 3 hat den ersten in die Zinsbuchsteuerung überführt. Artikel 4 hat den Preis für den zweiten hergeleitet. Was fehlt, ist die Steuerung des zweiten.

1. Der Liquiditäts-Cashflow als Nebenprodukt

Beim Festzinsdarlehen fallen Zinsbindung und Kapitalbindung zusammen: zehn Jahre fest, zehn Jahre Kapital. Das Zinsbuch nimmt den Cashflow auf, die Steuerung schließt oder öffnet die Zinsposition gegen die Benchmark, und die Liquidität läuft mit. Sie muss mitlaufen, denn irgendwoher kommt das Geld, das der Kunde ausgezahlt bekommt: aus Einlagen, aus Fälligkeiten im Eigenbestand, aus dem Geldmarkt. Aber die Frage, für wie lange diese Liquidität beschafft wird und zu welchem Spread, stellt sich in der Zinsbuchsteuerung nicht, weil sie dort keine Auswirkung hat. Ein 10-Jahres-Swap schließt die Zinsposition vollständig, ohne einen einzigen Euro Liquidität zu bewegen.

Das ist der Mechanismus, durch den der Liquiditäts-Cashflow zum Nebenprodukt wird. Nicht aus Nachlässigkeit, sondern weil das Steuerungsinstrument des Zinsbuchs, der Swap, die Liquidität sauber abtrennt und niemand ein zweites Instrument für den abgetrennten Teil bestellt. Die Liquiditätsposition ist dann das, was übrig bleibt, wenn alle Zinspositionen geschlossen sind: die Summe der Kapitalbindungen aller Kredite gegen die Summe der Kapitalbindungen aller Einlagen und Refinanzierungen, ungesteuert.

Im Zinsbereich ist das anders, und der Unterschied ist grundsätzlich. Für das Zinsbuch gibt es eine barwertige Benchmark, einen effizienten Cashflow, gegen den die tatsächliche Position gemessen wird (Artikel 3). Für den Liquiditäts-Cashflow gibt es keine vergleichbare Benchmark. Nicht, weil sie unmöglich wäre, sondern weil sie in der Praxis nicht untersucht und nicht gängig ist. Es gibt keinen „effizienten Liquiditäts-Cashflow“, an dem sich die Position messen ließe. Wer den Liquiditäts-Cashflow steuern will, muss ohne diesen Kompass auskommen. Das erklärt, warum er in den meisten Häusern mit dem Zinsbuch-Cashflow mitgesteuert wird: Man nimmt den Kompass, den man hat.

Die Gegenseite: Mischungsverhältnisse

„Ungesteuert“ heißt nicht „unbestimmt“. Die Kapitalbindung der Einlagen, gegen die der Kredit läuft, ist keine Marktgröße, sondern ein Modell: Sichteinlagen und Spareinlagen haben keine vertragliche Bindung, also legt die Bank fest, wie sie deren Cashflow ansetzt: über Mischungsverhältnisse gleitender Durchschnitte. Ein Zinsmischungsverhältnis bestimmt, welcher Zins-Cashflow den Einlagen zugerechnet wird; ein Liquiditätsmischungsverhältnis bestimmt, welche Kapitalbindung sie im Liquiditäts-Cashflow haben. Dieselbe Einlage hat also zwei Cashflows, und sie unterscheiden sich: Einlagen reagieren auf Zinsen schneller, als sie abfließen. Das Zinsmischungsverhältnis ist deshalb kurz, das Liquiditätsmischungsverhältnis lang.

In der Beispiel-Welt dieser Serie: Zinsmischungsverhältnis 70 % 6M gleitend / 30 % 10J gleitend; Liquiditätsmischungsverhältnis 40 % 6M gleitend / 60 % 10J gleitend. Für die Liquiditätsgutschrift der Einlagen wird jede Tranche zum Spread ihrer Kapitalbindung bewertet: 40 % des Volumens zu 0,05 PP (6M-Spread der Liquiditätskurve), 60 % zu 0,70 PP (10J-Spread). Bei ruhiger Spreadkurve (der gleitende Durchschnitt entspricht dann der aktuellen Kurve) ergibt das 0,4 × 0,05 + 0,6 × 0,70 = 0,02 + 0,42 = 0,44 PP, auf 1 Mio. € Einlagen 4.400 € im Jahr. Das ist der Spread, gegen den ein Zehnjahreskredit läuft, wenn niemand etwas anderes entscheidet. Er liegt nahe am 10J-Spread von 0,70, weil das Modell den Einlagen überwiegend zehn Jahre Kapitalbindung zurechnet. Mit anderen Worten: Die Bank hat sich mit dem Liquiditätsmischungsverhältnis bereits lange Liquidität „gekauft“, bevor der erste Kredit ausgezahlt wurde.

Die Festlegung dieser Mischungsverhältnisse ist eine der folgenreichsten Entscheidungen der Banksteuerung. Sie ist eine Methodenentscheidung, die sauber aus den Daten abgeleitet werden muss, aus dem tatsächlichen Verhalten der Einlagen, und die dann vom Vorstand beschlossen wird; sie wird jährlich validiert und ist Gegenstand der Jahresabschlussprüfung und der aufsichtlichen Prüfung. An Aufmerksamkeit fehlt es ihr also nicht. Was ihr fehlt, ist die Lesart: Validierung und Prüfung fragen, ob das Modell das Einlagenverhalten richtig abbildet. Sie fragen nicht, welche Liquiditätsposition die Bank mit diesem Modell hält, was sie damit verdient und ob sie diese Position will. Die Mischungsverhältnisse bestimmen den Liquiditäts-Cashflow der halben Bilanz und legen fest, wie viel Liquiditäts-Fristentransformation die Bank hält, bevor irgendjemand ein Instrument gewählt hat. Geprüft werden sie als Modell, nicht gesteuert als Position.

2. Der Hebel: die Instrumentenwahl

Ob der Liquiditäts-Cashflow gesteuert wird oder nur mitläuft, entscheidet sich nicht in einer Grundsatzdebatte, sondern beim Instrument. Für einen Zehnjahreskredit stehen der Treasury-Funktion drei Wege offen:

Nur Zins steuern. Die Zinsposition wird über einen Swap geschlossen. Liquidität wird nicht eigens beschafft; sie kommt aus den modellierten Einlagen. Ökonomisch läuft der Kredit damit gegen das Liquiditätsmischungsverhältnis: zehn Jahre Kapitalbindung gegen eine Passivseite, deren Bindung im Modell bei 0,44 PP Spread liegt. Die Bank vereinnahmt die Differenz zum 10J-Spread und trägt ein Risiko, das nicht bei einer Fälligkeit auftritt, sondern im Modell steckt: wenn die Einlagen sich anders verhalten als angenommen. Das ist der Nebenprodukt-Fall aus Abschnitt 1, nur diesmal als Entscheidung ausgesprochen.

Zins und Liquidität zusammen. Die klassische Refinanzierung: ein Pfandbrief, eine Namensschuldverschreibung, ein Darlehen der Landesbank über zehn Jahre fest. Ein Instrument schließt beide Positionen. Die Bank zahlt Swap plus Liquiditätsspread über die volle Laufzeit, im Beispiel 3,20 % + 0,70 PP = 3,90 %. Beide Cashflows sind gedeckt, beide Strukturbeiträge sind null, das Rollrisiko ist null.

Getrennt: Zins lang, Liquidität kürzer. Swap über zehn Jahre für die Zinsposition, dazu eine bewusst kürzere Liquiditätsbeschaffung am Markt über zwei, drei oder fünf Jahre, die bei Fälligkeit verlängert wird. Die Bank zahlt den kürzeren Liquiditätsspread, vereinnahmt die Differenz zum langen Spread als Liquiditäts-Strukturbeitrag und trägt das Rollrisiko für die Verlängerungen. Das ist der Weg, den eine Bank wählt, wenn sie die Spreadkurve für steil hält, die Position tragen kann und sie nicht auf das Einlagenmodell stützen will.

Die Instrumentenwahl ist damit keine Ausführungsfrage. Sie legt fest, ob die Bank eine Liquiditätsposition am Markt oder im Modell hält, und in welche Richtung. Die Spreadkurve ist der Markt, an dem diese Position gemessen wird: Ist sie steil, ist kurze Liquidität billig und die getrennte Steuerung attraktiv; ist sie flach oder invers, verschwindet der Anreiz. An der Kalkulation des Kredits ändert das nichts: Das Kundengeschäft hat mit dem Transferpreis 0,70 PP für zehn Jahre bezahlt und ist risikoneutral gestellt (Artikel 4). Die Instrumentenwahl ändert nur, wer den Unterschied trägt: die Gesamtbank, in der Position, die die Treasury-Funktion hält.

3. Drei Wege am Zehnjahresdarlehen

Musterdarlehen 2: 1 Mio. €, zehn Jahre, endfällig, Kundenzins 4,10 %. Opportunitätszins €STR-Swap 10J 3,20 %, Konditionsbeitrag 0,90 PP. Liquiditätskosten 0,70 PP direkt plus 0,05 PP indirekt, Nettomarge nach Liquidität 0,15 PP. Diese Größen sind bei Abschluss fixiert und bleiben es, welchen Weg die Treasury-Funktion auch wählt.

Für den Liquiditäts-Strukturbeitrag zählt nur der direkte Anteil. Die 0,05 PP indirekt decken den Liquiditätspuffer (Abschnitt 5) und sind kein Ertrag, den die Position verdienen kann. Die Zinsposition wird in allen drei Wegen über zehn Jahre geschlossen, per Swap oder per festem Refinanzierungsinstrument, sodass der Zins-Strukturbeitrag konstruktionsbedingt null ist und nur die Liquidität variiert.

Weg A: nur Zins Weg B: zusammen Weg C: getrennt
InstrumentSwap 10J, Liquidität aus modellierten Einlagen (40 % 6M / 60 % 10J gleitend)Pfandbrief / Schuldschein 10J festSwap 10J + Liquidität 2J am Markt, rollierend
Liquiditätsspread gezahlt0,44 PP (Mischungsverhältnis)0,70 PP (10J)0,20 PP (2J)
Liquiditäts-Strukturbeitrag Jahr 10,70 − 0,44 = +0,26 PP = 2.600 €0 PP = 0 €0,70 − 0,20 = +0,50 PP = 5.000 €
Gesichert bisgilt, solange das Modell giltJahr 10Jahr 2
Anpassung an neue Spreadsgleitend: 6M-Anteil binnen eines halben Jahres, 10J-Anteil zu je einem Zehntel pro Jahrkeinebei jeder Verlängerung vollständig (Jahr 3, 5, 7, 9)
RisikoquelleEinlagenverhalten (Modellrisiko), dann SpreadkeineSpread bei Roll, Verfügbarkeit
Entscheidung durchdas Modell der Mischungsverhältnisse; Treasury-Funktion, wenn der Weg ausgesprochen wirdTreasury-Funktion im Rahmen des RefinanzierungsplansTreasury-Funktion innerhalb des Limits für Liquiditäts-Fristentransformation

Die Tabelle macht zwei Dinge sichtbar, die die Kalkulation allein nicht zeigt. Erstens: Weg C erwirtschaftet im ersten Jahr das Dreifache dessen, was das Kundengeschäft selbst erwirtschaftet (5.000 € gegen 1.500 € Nettomarge), und selbst Weg A, der unentschiedene, bringt 2.600 €. Wer nur die Kreditkalkulation ansieht, sieht ein knappes Geschäft; wer die Liquiditätsposition dazunimmt, sieht ein anderes. Zweitens: Weg A bringt weniger als Weg C, und der Grund ist das lange Liquiditätsmischungsverhältnis. Die Bank hat ihren Einlagen überwiegend zehn Jahre Kapitalbindung zugerechnet und damit den größten Teil der Liquiditäts-Fristentransformation schon im Modell verbraucht. Das ist kein Mangel, sondern eine bewusste Entscheidung, die über das Modell der Mischungsverhältnisse getroffen wurde. Sie wird nur selten in dieser Form berichtet, als Liquiditätsposition mit Strukturbeitrag und Rollvolumen, und kann deshalb selten in dieser Form gesteuert werden.

Barwertig: Der gesicherte Teil von Weg C, zwei Jahre à 5.000 €, ist mit den Diskontfaktoren der Swapkurve 9.680 € wert. Alles danach ist Erwartung, keine Position. Weg A hat keinen gesicherten Teil; er hat ein Modell.

4. Rollrisiko: Wenn die Spreadkurve springt

Der Liquiditäts-Strukturbeitrag von Weg A und Weg C ist nur so lange sicher, wie die Liquidität gesichert ist. Bei jeder Verlängerung, am Markt oder im gleitenden Durchschnitt, wird der Spread neu gestellt, nicht von der Bank, sondern vom Markt. Zwei Szenarien für die Zeit nach Jahr 2, beide synthetisch, beide in der Größenordnung dessen, was der Markt gezeigt hat:

Spreadkurve ab Jahr 3 6M 2J 10J Weg A, Jahr 3 Weg C, Jahr 3
unverändert0,050,200,70+0,26 PP+0,50 PP
verdoppelt0,100,401,40+0,20 PP+0,30 PP
Extremfall: invers1,501,401,00−0,34 PP−0,70 PP

Eine Verdopplung der Spreads ist kein Extremszenario. Sie ist eingetreten, 2011 in der Staatsschuldenkrise und 2022 nach der Zinswende, und sie gehört zu dem, was eine Liquiditätsposition aushalten muss. Dass beide Wege sie verkraften, liegt nicht an der Position, sondern am Preis: Der Kredit wurde zum 10J-Spread von 0,70 PP kalkuliert. Solange der Spread, den die Bank tatsächlich zahlt, darunter bleibt, bleibt der Beitrag positiv. Weg C behält 0,30 PP, weil die Verlängerung zu 0,40 statt 0,20 kommt. Weg A behält 0,20 PP, weil der gleitende Durchschnitt die neuen Spreads nur allmählich aufnimmt: der 6M-Anteil sofort, der 10J-Anteil zu einem Zehntel pro Jahr.

Der Extremfall folgt einer anderen Logik. Er beschreibt eine Spreadkurve, die nicht mehr steil, sondern invers ist. Das ist die Situation, in der kurze ungedeckte Refinanzierung teurer ist als lange, weil der Markt nicht Laufzeit bepreist, sondern Vertrauen. 2008 nach Lehman und 2011 war das der Fall: Die Spreads ungedeckter Bankrefinanzierung vervielfachten sich, und die Kurve drehte. Dann verkehrt sich das Vorzeichen: Weg C hat in den Jahren 1 und 2 zusammen 10.000 € verdient und verliert nun 7.000 € pro Jahr, für die verbleibenden acht Jahre potenziell 56.000 €. Weg A rutscht langsamer ins Minus: −0,34 PP im dritten Jahr, mit jedem weiteren Zehntel der 10J-Tranche tiefer. Die Chance war klein und stetig, das Risiko ist groß und tritt auf einmal ein.

Das gilt auch im Verbund: Die Refinanzierung über Landesbank und Sparkassenorganisation kann eine Krise abmildern, aber nicht abfangen, und die Spreads unterscheiden sich zwischen den einzelnen Häusern. Wie hart es ein Institut trifft, hängt an seiner Bilanzstruktur. Eine passivlastige Bank, also eine mit mehr Einlagen als Krediten, ist von den Kapitalmarktspreads weitgehend unabhängig; ihr Weg A ist durch die Einlagen tatsächlich gedeckt. Eine aktivlastige Bank refinanziert einen Teil ihres Kreditbuchs am Markt, und mit jedem Prozentpunkt Aktivüberhang wächst der Anteil der Position, den der Spread des Tages bepreist.

Und Weg A hat ein Risiko, das in der Tabelle nicht steht, weil es nicht im Spread liegt: das Modell. Die gleitende Dämpfung gilt nur, solange die Einlagen bleiben. Fließen sie ab, weil ein Wettbewerber zahlt, weil Kunden in Wertpapiere umschichten oder weil eine Krise Vertrauen kostet, ist die Kapitalbindung, die das Modell den Einlagen zurechnet, nicht mehr da. Dann muss die Bank die Liquidität beschaffen, die das Mischungsverhältnis versprochen hat, und zwar sofort, ohne Dämpfung. Das ist der Moment, in dem sich zeigt, was die Survival Period wirklich zählt: nicht die Ablaufbilanz, sondern die Mittel, die eine Bank ohne Marktzugang mobilisieren kann: Pfandbriefpooling im Verbund, die Einreichung von Kreditforderungen bei der Bundesbank, zugesagte Linien, Wertpapierleihe, der Abbau des Depot A. Diese Mittel gibt es, und sie tragen. Aber jedes davon hat einen Preis, eine Menge und eine Vorlaufzeit, und keines davon steht in der Kreditkalkulation.

5. Steuerung ohne Benchmark

Wenn es keinen effizienten Liquiditäts-Cashflow gibt, an dem die Position gemessen werden könnte, braucht die Steuerung einen anderen Rahmen. Er besteht aus drei Teilen, die in der Praxis oft getrennt geführt werden und hier zusammengehören.

Die Spreadkurve ist der Ort der Chance. Sie zeigt, was die Bank für kurze und lange Liquidität zahlt, und damit, was eine offene Position pro Jahr einbringt. Sie ist beobachtbar (Artikel 4): über die ungedeckte Kurve der Landesbank, über Pfandbriefkurven, über eigene Emissionen. Ihre Steilheit ist das Preisschild der Liquiditäts-Fristentransformation und der Maßstab, an dem die Mischungsverhältnisse als Position gemessen werden könnten, und nicht allein als Modell.

Die normativen Kennzahlen sind der Ort der Grenze. Der NSFR verlangt, dass die Kapitalbindung der Aktiva mit stabiler Refinanzierung unterlegt ist; eine Zweijahresrefinanzierung am Markt verliert ihre Anrechnung als stabil, sobald die Restlaufzeit unter ein Jahr fällt. Weg C zahlt seinen Strukturbeitrag also im NSFR. Weg A stützt sich auf Einlagen mit in der Regel hoher Anrechnung, was ihn im NSFR günstiger aussehen lässt, als er ökonomisch ist: Der NSFR sieht das Modellrisiko nicht. Die LCR setzt die kurzfristige Grenze: Jede Fälligkeit innerhalb von dreißig Tagen erhöht den Puffer, den die Bank vorhalten muss, und die Kosten dieses Puffers sind exakt die 0,05 PP indirekte Liquiditätskosten aus Artikel 4. Die Survival Period, der institutseigene Stresshorizont aus dem ILAAP, ist die dritte Grenze: Wie lange kann die Bank ihre Zahlungsverpflichtungen unter Stress erfüllen, ohne Zugang zum Markt? Ein Horizont von 90 Tagen ist üblich. Weg C verkürzt ihn mit jeder Tranche, die ins letzte Vierteljahr läuft; Weg A mit jedem Einlagenabfluss, der über die Modellannahme hinausgeht; und die Mittel aus Abschnitt 4 sind das, was ihn verlängert.

Das Limit verbindet beides. Ohne Benchmark lässt sich nicht sagen, welche Abweichung von einer effizienten Position toleriert wird. Es lässt sich aber sagen, wie viel Liquiditäts-Fristentransformation die Bank will: als offene Liquiditätsposition je Laufzeitband, als Mindestabstand zu NSFR und LCR, als Mindest-Survival-Period unter Stress. Diese Frage ist mit den Mischungsverhältnissen in Wahrheit schon einmal beantwortet worden; das Limit macht die Antwort explizit und überprüfbar. Innerhalb des Limits wählt die Treasury-Funktion das Instrument. Außerhalb liegt keine Entscheidung mehr, sondern ein Verstoß.

Hier laufen drei Steuerungskreise zusammen, die in vielen Häusern verschiedene Berichte, verschiedene Gremien und verschiedene Zuständigkeiten haben: die ökonomische Sicht, die den Strukturbeitrag misst; die normative Sicht, die LCR und NSFR meldet; und die Liquiditätssteuerung, die Refinanzierungen einkauft und Einlagen modelliert. Die Instrumentenwahl für einen einzelnen Zehnjahreskredit berührt alle drei. Wer sie an einer Stelle trifft, ohne die anderen beiden zu sehen, entscheidet nicht. Er lässt entscheiden.

Der typische Fehler

Die Bank hat ein Zinsbuch-Reporting, eine Benchmark, ein Limit für den Barwert und ein Limit für den Abstand zur Benchmark. Sie hat eine Liquiditätsablaufbilanz, LCR und NSFR im Aufsichtsreporting, einen Refinanzierungsplan, und sie hat validierte, geprüfte Mischungsverhältnisse. Was sie nicht hat, ist die Zahl, die all das verbindet: den Liquiditäts-Strukturbeitrag, den die aktuelle Position pro Jahr erwirtschaftet, und das Rollvolumen, am Markt und im Modell, das ihn in den nächsten zwölf Monaten neuen Spreads aussetzt.

Die Folge ist nicht, dass die Bank keine Liquiditätsposition hat. Sie hat eine: Weg A, ungewollt, in jedem Kredit, dessen Zinsposition per Swap geschlossen wurde, in der Größe, die die Mischungsverhältnisse vorgeben. Die Folge ist, dass der Ertrag daraus im Zinsergebnis untergeht, wo er als Zins-Strukturbeitrag oder als Konditionsbeitrag gelesen wird, und dass das Risiko daraus erst in dem Moment sichtbar wird, in dem die Spreadkurve springt oder die Einlagen gehen. Dann liest die Bank in ihrem Ergebnis einen Verlust, den sie nie als Chance verbucht hat.

Der Fehler beginnt bei den Mischungsverhältnissen, die als Modell geprüft, aber nicht als Position gelesen werden; er setzt sich beim Instrument fort, das niemand ausgesprochen hat; und er endet beim Bericht, in dem die Zahl fehlt. Der Mindestausweis unten setzt beim Bericht an.

Mindestausweis: Liquiditätsposition im Steuerungsreport

Eine Seite, monatlich, an Vorstand und Dispositionsrunde. Sie ergänzt die Liquiditätsablaufbilanz, ersetzt sie nicht.

Zeile Inhalt Liefert
1Offene Liquiditätsposition je Laufzeitband (Kapitalbindung Aktiv minus Passiv, in Mio. €), Einlagen zum LiquiditätsmischungsverhältnisIntegrierte Steuerung – Risikomanagement-Funktion
2Liquiditäts-Strukturbeitrag laufendes Jahr, Ist und Plan (in Tsd. €), getrennt vom Zins-StrukturbeitragIntegrierte Steuerung – Risikomanagement-Funktion
3Rollvolumen nächste 12 Monate (in Mio. €), getrennt nach Marktrefinanzierung und gleitendem Einlagenanteil, mit Ergebniswirkung bei Spreadausweitung um 50 und 100 BPIntegrierte Steuerung – Risikomanagement-Funktion
4Instrumentenmix der Neurefinanzierung im Berichtsmonat (Swap-only / kombiniert / getrennt, Volumen)Integrierte Steuerung – Treasury-Funktion
5NSFR, LCR, Survival Period: Ist, Limit, Abstand, Veränderung durch Zeile 4Integrierte Steuerung – Risikomanagement-Funktion
6Limitauslastung Liquiditäts-FristentransformationIntegrierte Steuerung – Risikomanagement-Funktion
7Mischungsverhältnisse Zins und Liquidität: geltender Beschluss, Datum der letzten Validierung, Abweichung des tatsächlichen Einlagenverhaltens vom Modell (12 Monate), daraus Liquiditäts-Fristentransformation im Modell (in Mio. €)Integrierte Steuerung – Risikomanagement-Funktion

Zeile 4 ist die entscheidende Ergänzung. Sie macht die Instrumentenwahl zu einer berichteten Größe, und damit zu einer Entscheidung, die jemand getroffen hat. Zeile 7 übersetzt das validierte Modell in die Position, die es erzeugt, und macht damit sichtbar, was mit den Mischungsverhältnissen beschlossen wurde.

Prüffragen für Ihr Haus

  1. Wird der Liquiditäts-Strukturbeitrag Ihres Hauses getrennt vom Zins-Strukturbeitrag ausgewiesen, oder geht er im Zinsergebnis auf?
  2. Gibt es ein Limit für die Liquiditäts-Fristentransformation, das nicht mit LCR oder NSFR identisch ist?
  3. Wird die jährliche Validierung der Mischungsverhältnisse auch als Entscheidung über die Liquiditätsposition gelesen? Ist die Fristentransformation in Mio. €, die das Liquiditätsmischungsverhältnis erzeugt, Teil der Beschlussvorlage?
  4. Wer entscheidet bei einem neuen Zehnjahreskredit, ob die Liquidität zehn, fünf oder zwei Jahre beschafft wird, oder ob sie gegen die Einlagen läuft? Ist diese Entscheidung dokumentiert?
  5. Kennen Sie das Rollvolumen der nächsten zwölf Monate, am Markt und im gleitenden Durchschnitt, und seine Ergebniswirkung bei einer Spreadausweitung um 100 BP?
  6. Zeigt Ihr Liquiditätsreport die Spreadkurve, gegen die Sie steuern, oder nur die Ablaufbilanz?
  7. Werden ökonomische Liquiditätsposition, NSFR/LCR, Einlagenmodell und Refinanzierungsplan im selben Gremium besprochen?

Häufige Fragen

Was ist der Liquiditäts-Strukturbeitrag?
Der Ertrag oder Aufwand, der entsteht, wenn die Kapitalbindung der Aktiva und die Kapitalbindung der Passiva nicht deckungsgleich sind. Er ergibt sich aus der Differenz zwischen dem Liquiditätsspread, den das Kundengeschäft über den Transferpreis zahlt, und dem Liquiditätsspread, den die Bank für ihre tatsächliche Refinanzierung aufwendet, am Markt oder über die modellierten Einlagen. Er ist das liquiditätsseitige Gegenstück zum Zins-Strukturbeitrag aus Artikel 3.

Warum gibt es für die Liquiditätsposition keine Benchmark wie für das Zinsbuch?
Für das Zinsbuch ist ein effizienter Cashflow als Benchmark üblich und untersucht. Für den Liquiditäts-Cashflow ist das nicht der Fall; ein vergleichbares Konzept ist in der Praxis nicht gängig. Die Steuerung stützt sich deshalb auf die Spreadkurve als Preissignal und auf Limite für die offene Position und die normativen Kennzahlen.

Ändert die Instrumentenwahl den Konditionsbeitrag des Kredits?
Nein. Konditionsbeitrag und Liquiditätskosten des Kredits sind bei Abschluss fixiert; das Kundengeschäft ist risikoneutral gestellt. Die Instrumentenwahl entscheidet nur, welche Position die Gesamtbank hält und welchen Strukturbeitrag sie daraus erzielt oder verliert.

Ist Weg A, nur den Zins zu steuern, immer ein Fehler?
Nein. Er ist ein Fehler, wenn er nicht entschieden wurde. Eine passivlastige Bank mit stabilem, breitem Einlagengeschäft hält ihre Liquiditätsposition zu Recht gegen die Einlagen, wenn sie das Modellrisiko kennt, das Einlagenverhalten laufend gegen die Mischungsverhältnisse validiert und die Position limitiert. Der Fehler ist die unentschiedene Position, nicht die gegen Einlagen laufende.

Was haben die Mischungsverhältnisse damit zu tun?
Sie legen fest, welche Kapitalbindung die Bank ihren Einlagen ohne vertragliche Laufzeit zurechnet, und damit, wie viel Liquiditäts-Fristentransformation sie hält, bevor ein einziges Instrument gewählt wurde. Zins- und Liquiditätsmischungsverhältnis unterscheiden sich; das Liquiditätsmischungsverhältnis ist länger. Beide werden aus dem Einlagenverhalten abgeleitet, beschlossen, jährlich validiert und geprüft, aber als Modell, nicht als Liquiditätsposition. Genau diese zweite Lesart fehlt in den meisten Häusern.

Wie hängen LCR und NSFR mit dem Liquiditäts-Strukturbeitrag zusammen?
Der Strukturbeitrag entsteht, weil die Bank kürzer refinanziert, als sie ausleiht; NSFR und LCR begrenzen genau das. Sie sind die Grenzen, innerhalb derer der Strukturbeitrag erwirtschaftet werden darf, und sie sehen das Modellrisiko der Einlagen nur so gut, wie die Bank es ihnen meldet.

Was verlangt die Aufsicht?
MaRisk BTR 3 verlangt Liquiditätsübersichten (Tz. 3), regelmäßige Stresstests (Tz. 6) und ein Verrechnungssystem für Liquiditätskosten, -nutzen und -risiken (Tz. 5), bei überwiegend kleinteiligem Kundengeschäft und stabiler Refinanzierung in einfacher Form (siehe Artikel 4 dieser Serie). Ein Limit für die Liquiditäts-Fristentransformation als Steuerungsgröße schreibt die Aufsicht nicht vor; sie erwartet aber, dass die Bank ihre Liquiditätsrisiken kennt und begrenzt. Das Limit ist der Weg, diese Erwartung zu einer Steuerungsentscheidung zu machen.

Weiter in der Serie

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