Liquiditätskosten und Transferpreis

Der Konditionsbeitrag aus Artikel 1 ist eine Bruttogröße. Der erste Kostenblock, der von ihm abgeht, ist der Preis der Liquidität, und er ist der am häufigsten falsch bemessene, weil er einer anderen Laufzeit folgt als der Zins. Dieser Artikel zeigt, woher die Liquiditätskurve kommt, was ein Kapitalstrukturmodell leistet, und was passiert, wenn man den Preis pauschal setzt.

Die Kreditvorlage, in der eine Zeile fehlt

Ein Firmenkunde will 1 Mio. € über fünf Jahre, variabel verzinst zum 6-Monats-Euribor plus Marge, weil er mit fallenden Zinsen rechnet. Und er will die Sicherheit, dass die Bank ihm das Geld fünf Jahre lässt: Liquiditätsgarantie. Der Vertrieb kalkuliert gegen die Zinsbindung, und die ist sechs Monate: 6M-Satz 1,9 %, Kundenzins Euribor + 0,90, Konditionsbeitrag 0,90 Prozentpunkte. Liquidität: der Sechsmonatssatz der Liquiditätskurve, 5 Basispunkte. Sieht gut aus.

Die Nachfrage aus der Integrierten Steuerung: „Wie lange ist das Geld weg?“ Fünf Jahre. Der Zins wird alle sechs Monate neu gesetzt, das Kapital ist fünf Jahre gebunden, denn die Bank hat es zugesagt. Für fünf Jahre Geld zahlt sie etwas anderes als für sechs Monate: nicht im Zins, sondern im Aufschlag, den ihr eigenes Funding über den Swapsatz kostet. In der Kreditvorlage steht die Liquidität mit 5 Basispunkten. Sie kostet 40. Die fehlende Zeile ist 35 Basispunkte breit, jedes Jahr, fünf Jahre lang.

Zum Begriff: „Treasury“ meint in dieser Serie die Funktion, die Zinsbuch und Liquiditätsposition disponiert. In der Integrierten Steuerung sitzt sie mit dem Risikomanagement unter einem Dach; mit einer Handelsabteilung hat sie nichts zu tun.

Liquidität folgt der Kapitalbindung

Artikel 2 hat Zinsbindung und Kapitalbindung getrennt, Artikel 3 hat daraus zwei Cashflows gemacht: Der Zinsbuch-Cashflow endet, wenn der Zins neu festgesetzt wird; der Liquiditäts-Cashflow endet, wenn das Geld zurückfließt. Der Preis der Liquidität hängt am zweiten.

Beim Festzinsdarlehen fallen beide für die Kalkulation zusammen: Fünf Jahre Zinsbindung sind fünf Jahre Kapitalbindung, denn nach Ablauf wird neu verhandelt: Die Anschlusskondition ist ein neues Geschäft mit neuem Konditionsbeitrag und neuer Liquiditätsbewertung. Auseinander fallen sie an zwei Stellen: beim variablen Darlehen mit Liquiditätsgarantie, wo der Zins kurz und das Kapital lang gebunden ist, und bei der Tilgung, wo jede Rate ihre eigene Kapitalbindung hat.

Der Fall aus der Kreditvorlage neben dem Festzinskredit der Serie:

Variante Zinsbindung Kapitalbindung Konditionsbeitrag Liquiditätskosten (direkt) nach direkter Liquidität
Festzins 5J5 Jahre5 Jahre0,90 PP0,40 PP0,50 PP
Variabel 6M, Garantie 5J6 Monate5 Jahre0,90 PP0,40 PP0,50 PP
Variabel 6M, falsch kalkuliert6 Monate6 Monate0,90 PP0,05 PP0,85 PP

Die ersten beiden Zeilen sind die Pointe: Zwei Geschäfte mit völlig verschiedener Zinsposition, eines fünf Jahre fest, eines alle sechs Monate neu, haben dieselben Liquiditätskosten, weil das Geld in beiden Fällen fünf Jahre weg ist. Die dritte Zeile ist der Fehler: Wer die Liquidität an der Zinsbindung abliest, kalkuliert das variable Darlehen 35 Basispunkte zu günstig, also 3.500 € pro Jahr.

Tilgung wirkt in die andere Richtung. Beim Ratenkredit aus Artikel 2 mit 1 Mio. €, fünf Jahren und 200.000 € Tilgung pro Jahr ist das Geld im Durchschnitt nur drei Jahre gebunden. Cashflow-kongruent wird jede Tranche mit der Liquiditätskurve ihrer Laufzeit bewertet:

Tranche Kapitalbindung Liquiditätsspread gewichtet (Volumen × Jahre)
200.000 €1 Jahr0,10 PP0,10
200.000 €2 Jahre0,20 PP0,40
200.000 €3 Jahre0,30 PP0,90
200.000 €4 Jahre0,35 PP1,40
200.000 €5 Jahre0,40 PP2,00
Σ15 Volumen-Jahre4,80 → 0,32 PP

Der Liquiditätsmischsatz des Ratenkredits liegt bei 0,32 Prozentpunkten, nach derselben Gewichtung, mit der Artikel 2 den Zins-Mischsatz von 2,63 % ermittelt hat. Der Ratenkredit ist im Zins das kürzere Geschäft und in der Liquidität ebenfalls, und beides muss die Kalkulation sehen.

Selbst schieben: das Kreditbeispiel zeigt Cashflow, Liquiditätsmischsatz und Beitrag nach Liquidität am Musterdarlehen.

Was Liquidität kostet, und welche Kurve gilt

Der Liquiditätsspread ist im üblichen Sprachgebrauch der Aufschlag, den ein Emittent für Geld einer bestimmten Laufzeit über die €STR-Swapkurve zahlt. Diese Kurven sind beobachtbar: die ungedeckte Kurve der eigenen Landesbank oder einer Privatbank, die Pfandbriefkurve, und für jeden, der selbst emittiert, die Kursfeststellung der eigenen Papiere, aus der sich ablesen lässt, zu welchem Aufschlag der Markt den Emittenten refinanziert.

Eng genommen enthält dieser Aufschlag zwei Dinge. Ein Pfandbrief mit erstklassiger Deckung notiert nur wenige Basispunkte über Swap, und das ist näherungsweise der reine Preis der Liquidität. Alles, was eine ungedeckte Anleihe desselben Emittenten darüber hinaus kostet, ist Adressrisiko: die Prämie dafür, dass der Gläubiger dem Emittenten vertraut. In der Kalkulation wird diese Trennung meist nicht ausgewiesen; „Liquiditätsspread“ meint den gesamten Aufschlag über Swap. Wichtig ist nur, dass man weiß, was man addiert, und dass der Zinskurve nichts davon zugerechnet wird.

Denn das ist der Grund, warum die Zinskurve der Serie die €STR-Swapkurve ist und keine andere: Sie zeigt das reine Zinsänderungsrisiko, ohne Adress- und ohne Liquiditätskomponente. Jeder Aufschlag darüber gehört auf die Liquiditätsseite. Wer den Opportunitätszins von einer Euribor- oder gar einer Pfandbriefkurve abliest, hat bereits einen Teil der Liquiditätskosten im Zins versteckt und rechnet ihn hinterher doppelt oder gar nicht.

Zu den direkten Kosten aus der Kurve kommen indirekte, die in keinem Spread stehen:

  • Liquiditätspuffer: Die Bank hält hochliquide Aktiva, weil die Aufsicht es verlangt (LCR) und weil es klug ist. Der Puffer verdient weniger, als er kostet; der negative Carry ist ein Preis der Liquidität, den jedes Geschäft mitverursacht, das Abflüsse erzeugen kann.
  • Stabile Refinanzierung: Die NSFR verlangt für langfristige Aktiva langfristige Passiva. Ein zehnjähriger Kredit bindet mehr davon als ein einjähriger.
  • Optionalität: Zugesagte Linien und Ziehungsrechte kosten Liquidität, bevor ein Euro fließt. Das ist der Stoff von Artikel 9 dieser Serie.

Indirekte Liquiditätskosten sind in der Höhe überschaubar; die Größenordnung liegt zwischen einem und zehn Basispunkten, je nach Puffergröße und Bilanzstruktur. Die Serie setzt sie mit 0,05 Prozentpunkten flach an. Aber sie gehören ausgewiesen, nicht in den Gemeinkosten versteckt: Das Geschäft, das sie verursacht, soll sie sehen.

Das Kapitalstrukturmodell: welche Kurve in welcher Mischung

Beobachtbar heißt nicht eindeutig. Eine Sparkasse refinanziert sich nicht über eine Quelle, sondern über einen Mix: stabile Kundeneinlagen, Pfandbriefe über die eigene Deckungsmasse oder den Verbund, ungedeckte Aufnahmen bei der Landesbank, dazu Eigenkapital, das keine Liquiditätskosten verursacht, aber an anderer Stelle bezahlt wird (Artikel 7). Welcher Aufschlag gilt also für den nächsten Euro Kredit?

Die Antwort ist das Kapitalstrukturmodell: Die Liquiditätskurve der Bank ist der gewichtete Aufschlag ihrer Refinanzierungsquellen, entsprechend der Struktur, mit der die Bilanz tatsächlich finanziert ist und finanziert werden soll. Jede Quelle bringt ihre Kurve mit: die Pfandbriefkurve, die ungedeckte Kurve der Landesbank und für Einlagen ein modelliertes Spread-Äquivalent nach Stabilität und Laufzeit. Die Gewichte kommen aus der Bilanzstruktur und der Refinanzierungsstrategie. Das Ergebnis ist eine Kurve nach Laufzeit, die weder der billigsten noch der teuersten Quelle entspricht, sondern der Bank.

Zwei Dinge folgen daraus. Erstens: Die Liquiditätskurve ist eine Steuerungsentscheidung, keine Marktbeobachtung: welche Quellen, welche Gewichte, welche Einlagenmodellierung, wie oft aktualisiert. Sie gehört dokumentiert und regelmäßig gegen die tatsächlichen Beschaffungskosten geprüft. Zweitens: Die durchschnittlichen Einlagenkosten allein sind kein Liquiditätspreis. Einlagen haben keine vertragliche Laufzeit, ihr Preis ist das Ergebnis der eigenen Konditionenpolitik, und wer zehnjährige Kredite mit dem Preis täglich fälligen Geldes bewertet, sieht lange Geschäfte besser, als sie sind. Im Kapitalstrukturmodell sind Einlagen eine Quelle unter mehreren, mit einem Preis, der ihre Stabilität abbildet, nicht ihre Verzinsung.

Wie das Kapitalstrukturmodell in einem konkreten Haus aussieht, ist nicht Gegenstand dieser Serie. Die Liquiditätskurve der Beispiel-Welt, 0,40 Prozentpunkte für fünf Jahre und 0,70 für zehn, ist das synthetische Ergebnis eines solchen Modells und nicht die Kurve irgendeiner Quelle.

Zwei Kurven, ein Geschäft

Damit stehen zwei Kurven nebeneinander, und jede beantwortet eine andere Frage:

€STR-Swapkurve Liquiditätskurve
FrageWas ist Geld mit dieser Zinsbindung wert?Was kostet Geld für diese Kapitalbindung?
BezugsgrößeZinsbindungKapitalbindung
HerkunftMarkt, risikofrei beobachtbarKapitalstrukturmodell aus beobachtbaren Emittentenkurven
Ergebnis auf EinzelgeschäftsebeneKonditionsbeitrag (brutto)Liquiditätsbeitrag (direkt + indirekt)
Position auf GesamtbankebeneZinsbuch → Zins-Strukturbeitrag (Artikel 3)Liquiditätsposition → Liquiditäts-Strukturbeitrag (Artikel 5)
Verantwortung PositionIntegrierte Steuerung – Treasury-FunktionIntegrierte Steuerung – Treasury-Funktion
LimitIRRBB, AusreißertestLCR, NSFR, ILAAP-Stresstests

Beide Kurven werden auf denselben Cashflow angewendet, aber auf verschiedene Teile davon. Für das variable Darlehen bewertet die Swapkurve den Cashflow bis zur nächsten Zinsanpassung, die Liquiditätskurve den Cashflow bis zur Rückzahlung. Wer beide Kurven zu einer „Refinanzierungskurve“ addiert, kann das nicht mehr: Er müsste eine Laufzeit wählen, und welche er auch nimmt, sie ist für eine der beiden Fragen falsch.

Das Zwei-Kurven-Prinzip ist auch die Voraussetzung dafür, dass das Kreditbeispiel dieser Sektion etwas Sinnvolles anzeigt: Es rechnet Opportunitätszins und Liquiditätskosten an zwei getrennten Kurven, damit im Komponenten-Wasserfall sichtbar bleibt, was aus dem Zinsrisiko und was aus dem Funding stammt.

Der Transferpreis: eine Verrechnung, zwei Seiten

Der Liquiditätstransferpreis (LTP) ist der interne Preis, zu dem die Treasury-Funktion dem Kundengeschäft Liquidität abgibt oder abnimmt. Auf der Aktivseite ist er ein Kostenblock: Der Kredit zahlt 0,40 Prozentpunkte für fünf Jahre Liquidität plus 0,05 für den Puffer. Auf der Passivseite ist er eine Gutschrift: Eine Einlage, die der Bank fünf Jahre stabile Liquidität bringt, bekommt sie vergütet; eine Einlage, die morgen abfließen kann, bekommt fast nichts.

Damit tut der Transferpreis auf der Liquiditätsseite dasselbe wie der Opportunitätszins auf der Zinsseite: Er trennt. Der Vertrieb sieht die Liquiditätskosten seines Kredits und die Liquiditätsgutschrift seiner Einlage, beides zu Preisen, die er nicht beeinflusst. Die Treasury-Funktion sieht die Nettoposition: Was das Kundengeschäft an Liquidität bringt, was es bindet, und ob die Bank die Differenz am Markt beschaffen oder anlegen muss. Das Ergebnis dieser Nettoposition ist der Liquiditäts-Strukturbeitrag, das Thema von Artikel 5, so wichtig wie sein Zins-Gegenstück und nur seltener gesteuert.

Im Wasserfall der Serie steht die Liquidität an zweiter Stelle:

Schritt Festzins 5J Rate 5J Variabel 6M, Garantie 5J
Kundenzins3,80 %3,80 %6M-Euribor + 0,90
− Opportunitätszins (€STR-Swap)2,90 %2,63 %6M-Satz
= Konditionsbeitrag (brutto)0,90 PP1,17 PP0,90 PP
− Liquiditätskosten direkt0,40 PP0,32 PP0,40 PP
− Liquiditätskosten indirekt0,05 PP0,05 PP0,05 PP
= Beitrag nach Liquidität0,45 PP0,80 PP0,45 PP
− Adressrisiko-, Eigenkapital-, StückkostenArtikel 6 · Artikel 7 · Artikel 8

Der Beitrag nach Liquidität ist noch keine Nettomarge, denn Risiko, Kapital und Betrieb kommen erst. Aber er ist die erste Zahl, die etwas über das Geschäft aussagt, und nicht über die Kurve.

Der typische Fehler: ein Aufschlag für alles

In vielen Kalkulationen steht ein einziger Liquiditätsaufschlag: 20 Basispunkte, 30 Basispunkte, „das ist unser Liquiditätssatz“. Das ist bequem, und es ist die Umkehrung des Fehlers aus Artikel 3. Dort wurde der Zins gegen eine falsche Laufzeit gerechnet; hier bekommt die Liquidität gar keine.

Die Folgen sind spiegelbildlich zur Zinsseite:

  • Lange Kapitalbindung wird subventioniert, kurze bestraft. Mit einem Pauschalsatz von 0,30 zahlt der zehnjährige Kredit 40 Basispunkte zu wenig, der einjährige 20 zu viel. Das Portfolio driftet dorthin, wo die Kalkulation den Fehler macht, also ins lange Geschäft.
  • Die Liquiditätsposition wird unsichtbar. Wenn jedes Geschäft denselben Satz zahlt, gibt es keinen Grund, die Kapitalbindung zu erfassen. Die Treasury-Funktion erfährt aus der Kalkulation nicht, welche Fristigkeit sie beschaffen muss.
  • Der Preis reagiert nicht, wenn Liquidität knapp wird. Ein Pauschalsatz bleibt stehen, während die Emittentenkurven sich verschieben, und die Kalkulation zeigt in dem Moment die falsche Marge, in dem es darauf ankommt.

Das Erkennungsmerkmal: Zwei Kredite mit gleicher Zinsbindung und verschiedener Kapitalbindung haben in der Kalkulation dieselben Liquiditätskosten. Wenn das bei Ihnen der Fall ist, gibt es keine Liquiditätskurve, sondern einen Aufschlag.

Der zweite Fehler ist der aus der Kreditvorlage: Liquidität an der Zinsbindung zu bemessen. Er ist subtiler, weil eine Kurve vorhanden ist; nur wird sie an der falschen Stelle des Cashflows abgelesen. Und er trifft genau die Geschäfte, bei denen der Kunde die Liquidität ausdrücklich verlangt hat.

Prüffragen für Ihr Haus

  1. Gibt es in Ihrer Kalkulation eine Liquiditätskurve mit Laufzeitstruktur oder nur einen Satz? Test: Zwei Kredite, gleiche Zinsbindung, fünf und zehn Jahre Kapitalbindung. Unterscheiden sich die Liquiditätskosten?
  2. Woran wird die Liquidität bemessen, an der Zinsbindung oder an der Kapitalbindung? Test: Ein variables Darlehen mit Liquiditätsgarantie über fünf Jahre. Welche Laufzeit steht in der Liquiditätszeile?
  3. Steht hinter Ihrer Liquiditätskurve ein Kapitalstrukturmodell, mit benannten Quellen, benannten Gewichten und einer Regel für die Bewertung von Einlagen, und ist es dokumentiert? Wenn die Kurve „aus dem System“ kommt und niemand die Gewichte nennen kann, ist sie ein Pauschalsatz mit Laufzeitstruktur.
  4. Ist die Zinskurve Ihrer Kalkulation eine €STR-Swapkurve? Wenn Euribor- oder Emittentenkurven als Opportunitätszins dienen, steckt ein Teil der Liquiditätskosten bereits im Zins und wird doppelt oder gar nicht gerechnet.
  5. Werden direkte und indirekte Liquiditätskosten getrennt ausgewiesen, oder tragen Gemeinkosten den Puffer? Die indirekten Kosten sind klein, aber das Geschäft, das sie verursacht, soll sie sehen.
  6. Wird der Transferpreis auf beiden Seiten angewendet, als Kostenblock im Aktivgeschäft und als Gutschrift im Passivgeschäft? Einseitige Verrechnung erzeugt eine Liquiditätsposition, die niemand sieht.
  7. Wann wurde die Liquiditätskurve zuletzt gegen die beobachtbaren Emittentenkurven geprüft, und wer entscheidet über ihre Anpassung? Eine Kurve ohne Pflegeprozess ist nach zwei Jahren ein historischer Wert.

Häufige Fragen

Was ist der Liquiditätstransferpreis (LTP)?
Der interne Preis, zu dem die Treasury-Funktion dem Kundengeschäft Liquidität bereitstellt oder abnimmt. Auf der Aktivseite ist er ein Kostenblock nach Kapitalbindung, auf der Passivseite eine Gutschrift nach Stabilität der Einlage. Er trennt das Liquiditätsergebnis des Kundengeschäfts von der Liquiditätsposition der Bank, so wie der Opportunitätszins das Zinsergebnis trennt.

Warum folgt der Liquiditätspreis der Kapitalbindung und nicht der Zinsbindung?
Weil die Bank das Geld so lange beschaffen muss, wie es beim Kunden ist, unabhängig davon, wann der Zins angepasst wird. Beim Festzinsdarlehen fällt beides zusammen, weil nach der Zinsbindung neu verhandelt wird. Beim variablen Darlehen mit Liquiditätsgarantie nicht: Der Zins wird alle sechs Monate gesetzt, das Geld ist fünf Jahre gebunden, und es kostet im Beispiel 0,40 statt 0,05 Prozentpunkte.

Was ist ein Liquiditätsspread?
Im üblichen Sprachgebrauch der Aufschlag, den ein Emittent für Geld einer Laufzeit über die €STR-Swapkurve zahlt. Eng genommen enthält er zwei Komponenten: den reinen Preis der Liquidität (näherungsweise der Pfandbrief-Aufschlag) und das Adressrisiko des Emittenten (der Rest bis zur ungedeckten Kurve). In der Kalkulation zählt der gesamte Aufschlag über Swap zur Liquiditätsseite.

Was ist ein Kapitalstrukturmodell?
Das Verfahren, mit dem eine Bank ihre Liquiditätskurve aus den Kurven ihrer Refinanzierungsquellen ableitet, also aus Einlagen, Pfandbriefen, ungedeckten Aufnahmen und Eigenkapital, gewichtet nach der Struktur, mit der die Bilanz finanziert ist und werden soll. Es macht aus mehreren beobachtbaren Kurven die eine Kurve, die für das Kundengeschäft gilt.

Gehören Liquiditätspuffer und NSFR in den Transferpreis?
Ja, als indirekte Liquiditätskosten, getrennt von den direkten Kosten aus der Kurve. Der negative Carry des Puffers und der Bedarf an stabiler Refinanzierung entstehen durch das Kundengeschäft. Sie sind klein, in der Größenordnung von einem bis zehn Basispunkten, aber sie gehören ausgewiesen.

Was ist der Unterschied zwischen Liquiditätskosten und Liquiditäts-Strukturbeitrag?
Die Liquiditätskosten sind der Preis, den ein einzelnes Geschäft für seine Kapitalbindung zahlt. Der Liquiditäts-Strukturbeitrag ist das Ergebnis der Nettoposition der Bank: was das Kundengeschäft an Liquidität bringt und bindet und wie die Treasury-Funktion die Differenz disponiert. Das eine ist Einzelgeschäft, das andere Gesamtbank (Artikel 5).

Fordert die Aufsicht einen Liquiditätstransferpreis?
Nicht unter diesem Namen. Die MaRisk verlangen in BTR 3 Tz. 5 ein geeignetes Verrechnungssystem, das Liquiditätskosten, -nutzen und -risiken verursachungsgerecht intern verrechnet. Die Kosten der vorzuhaltenden Liquiditätspuffer sind dabei in der Ertrags- und Risikosteuerung zu berücksichtigen. Bei überwiegend kleinteiligem Kundengeschäft auf Aktiv- und Passivseite und stabiler Refinanzierung reicht nach den Erläuterungen ein einfaches Verrechnungssystem. Die EBA-Leitlinien zur Kreditvergabe nennen Fundingkosten ausdrücklich als Preisbestandteil. Ein bestimmtes Verfahren oder eine bestimmte Kurve schreibt keine der beiden Quellen vor.

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