Refinanzierung, Zinsrisiko und Strukturbeitrag

Ein Kredit über fünf Jahre, kurz refinanziert: „verdient“ er dann mehr? In der Frage stecken zwei Entscheidungen, die nichts miteinander zu tun haben: die Preisentscheidung am Kunden und die Entscheidung, eine Zinsposition offen zu lassen. Dieser Artikel trennt beide und zeigt, dass der Strukturbeitrag nicht am Kredit entsteht, sondern im Zinsbuch: als Ergebnis einer Position, gemessen an einer Benchmark, innerhalb eines Limits.

Die Sitzung, in der die falsche Frage gestellt wird

Dienstag, Aktiv-Passiv-Runde. Auf dem Tisch liegt ein Firmenkundenkredit über 1 Mio. €, fünf Jahre fest, endfällig, 3,8 %, vom Vertrieb bereits zugesagt. Das Treasury nennt zwei Zahlen: fünf Jahre laufzeitkongruent refinanziert kostet 2,9 %, ein Jahr rollierend 2,0 %. „Wenn wir kurz refinanzieren, verdient der Kredit 1,8 Prozentpunkte statt 0,9.“

Der Vertriebsleiter nickt. Der Risikomanager stellt die entscheidende Frage: „Und wem gehört die Differenz?“

Denn in dem Satz „der Kredit verdient 1,8 Prozentpunkte“ sind zwei Dinge verschmolzen, die getrennt gehören. Wer sie in einer Zahl zusammenzieht, kann später weder die Preisentscheidung noch die Zinsentscheidung beurteilen, und er wird bei der nächsten Kurvendrehung nicht wissen, welche von beiden schiefgegangen ist.

Ein Wort zum Begriff: „Treasury“ meint in dieser Serie die Funktion, die das Zinsbuch disponiert. In der Integrierten Steuerung sitzt sie mit dem Risikomanagement unter einem Dach; mit einer Handelsabteilung hat sie nichts zu tun.

Zwei Cashflows, zwei Positionen

Wenn in einer Bank von „Refinanzierungskosten“ die Rede ist, sind fast immer zwei Dinge gemeint, die getrennt gehören:

Die Zinsdimension. Zu welchem Satz wird Geld mit welcher Zinsbindung bewertet? Die Antwort gibt die Zinsstrukturkurve (Swap- bzw. OIS-Kurve). Sie ist der Maßstab der Marktzinsmethode: laufzeitkongruent, cashflow-gewichtet, für jedes Geschäft am Tag seines Abschlusses.

Die Liquiditätsdimension. Was zahlt die Bank über den Swapsatz hinaus, um tatsächlich liquide Mittel für die Dauer der Kapitalbindung zu beschaffen, etwa über Pfandbriefe, den Verbund oder Kundeneinlagen? Das ist der Liquiditätsspread. Er hat eine eigene Kurve, und die Frage nach dem richtigen Preis für Liquidität ist anspruchsvoller, als sie aussieht (Artikel 4).

Der Grund, warum beide Dimensionen getrennt gehören, steht bereits in Artikel 2: Zinsbindung und Kapitalbindung sind zwei verschiedene Dinge. Der Zinsbuch-Cashflow folgt der Zinsbindung und endet, wenn der Zins neu festgesetzt wird. Der Liquiditäts-Cashflow folgt der Kapitalbindung und endet, wenn das Geld zurückfließt. Bei einem fünfjährigen Festzinskredit fallen beide zusammen; bei einem variablen Kredit mit zehn Jahren Laufzeit liegen sie um Jahre auseinander.

Aus zwei Cashflows entstehen zwei Positionen, und jede kann einen Strukturbeitrag erzeugen: einen Zins-Strukturbeitrag aus der bewusst gehaltenen Zinsbuchposition und einen Liquiditäts-Strukturbeitrag aus der bewusst gehaltenen Liquiditätsposition. Beide sind Ergebnis einer Entscheidung, keine Automatik. In der Praxis wird der Zinsbuch-Cashflow fast überall aktiv gesteuert; der Liquiditäts-Cashflow verdient dieselbe Aufmerksamkeit und bekommt sie selten.

Dieser Artikel behandelt den Zins-Strukturbeitrag. Der Liquiditätsspread ist im Beispiel null, nicht weil er unwichtig wäre, sondern damit sichtbar wird, was übrig bleibt. Liquiditätspreis und Liquiditäts-Strukturbeitrag sind ein eigenes Thema dieser Serie.

Der Kredit selbst hat keinen Strukturbeitrag

Zurück zum Beispiel. Die Marktzinsmethode bewertet den Kredit gegen den laufzeitkongruenten Marktzins: 3,8 % Kundenzins gegen 2,9 % für fünf Jahre. Der Konditionsbeitrag beträgt 0,90 Prozentpunkte, bei 1 Mio. € also 9.000 € pro Jahr über fünf Jahre. (Barwert und Ratenvariante: Artikel 2.)

Diese Größe ist mit dem Abschluss fixiert. Sie ändert sich nicht, wenn das Treasury am nächsten Tag anders refinanziert, und sie ändert sich nicht, wenn die Zinsen steigen. Das ist die Risikoneutralstellung: Das Kundengeschäft wird intern so bewertet, als hätte das Treasury es fristenkongruent geschlossen. Ob es das tatsächlich tut, ist eine andere Entscheidung, und genau hier liegt der Punkt, den dieser Artikel setzen will.

Auf Einzelgeschäftsebene gibt es keinen Strukturbeitrag. Der Kredit liefert 0,90 Prozentpunkte, dem Kundengeschäft zurechenbar, brutto. Ob das Treasury die fünfjährige Aktivposition durch fünfjährige Passiva schließt, einen Payer-Swap abschließt oder sie offen lässt, entscheidet sich nicht am Kredit, sondern am Zinsbuch, an der Nettoposition aller Aktiv-, Passiv- und Derivate-Cashflows. Zwei Banken mit demselben Kredit haben denselben Konditionsbeitrag. Ob sie einen Strukturbeitrag haben, hängt davon ab, was jede von ihnen mit ihrer Zinsbuchposition macht.

Und diese Position wird als Ganzes gesteuert, nicht geschäftsweise. Der übliche Rahmen: Das Zinsbuch wird barwertig an einer Benchmark ausgerichtet, an einem definierten Zielprofil, etwa gleitenden Durchschnitten oder einem passiven Referenzportfolio. Die Benchmark ist die Grundsatzentscheidung, wie viel Fristentransformation das Haus strukturell will; Abweichungen davon sind aktive Entscheidungen des Treasurys. Der Strukturbeitrag, der in der Ergebnisrechnung erscheint, ist der periodische Ausweis dieser barwertigen Steuerung, also zwei Sichten auf dieselbe Position, wie Artikel 2 sie für das Einzelgeschäft beschreibt.

Deshalb ist der Satz „lange Kredite bringen Strukturbeitrag“ falsch. Der Strukturbeitrag entsteht nicht durch die Laufzeit des Kredits, sondern durch die Entscheidung, die daraus entstehende Position nicht zu schließen, gemessen an der Benchmark und innerhalb eines Limits.

Machen wir es konkret und vereinfachen didaktisch: Das Zinsbuch bestehe nur aus diesem einen Kredit, refinanziert rollierend zu 2,0 % für ein Jahr. Im ersten Jahr ergibt sich:

Position Satz
Zinsertrag Kredit3,80 %
Zinsaufwand 1J-Refinanzierung2,00 %
Zinsüberschuss Jahr 11,80 PP
davon Konditionsbeitrag (3,80 − 2,90)0,90 PP
davon Strukturbeitrag (2,90 − 2,00)0,90 PP

Dieselbe Zahl, zwei völlig verschiedene Charaktere. Der Konditionsbeitrag ist für fünf Jahre fixiert, dem Kundengeschäft zugerechnet und Ausgangspunkt der Nettomarge, die den Erfolg des Geschäfts zeigt. Der Strukturbeitrag gilt für ein Jahr, entsteht bei jedem Repricing der Refinanzierung neu, gehört dem Treasury und kann im vierten Jahr negativ sein.

Das Zinsbuch nimmt dabei den Cashflow, nicht die Vertragslaufzeit. Beim Ratenkredit aus Artikel 2 liegt der Opportunitätszins wegen der kürzeren Kapitalbindung der Tilgungsraten bei 2,63 %, der Konditionsbeitrag bei 1,17 Prozentpunkten, und der Strukturbeitrag aus einjähriger Refinanzierung liegt im ersten Jahr nur bei 0,63 Prozentpunkten, weil die Zinsposition entsprechend kürzer ist. Wer den Ratenkredit im Zinsbuch als „fünf Jahre“ führt, hält eine Position, die es nicht gibt.

Selbst schieben: das Kreditbeispiel zeigt Cashflow, Opportunitätszins und Beitrag am Musterdarlehen.

Was der Strukturbeitrag eigentlich vergütet

Die Kurve ist steil: 2,0 % für ein Jahr, 2,9 % für fünf. Da liegt der Reflex nahe: „Die Fristentransformation bringt uns 90 Basispunkte.“ Aber die Zinsstrukturkurve enthält bereits eine Erwartung über die künftigen Einjahressätze, die Forward-Sätze. Aus der Beispielkurve lassen sie sich direkt ableiten:

Jahr 1J-Satz (Kasse / Forward) Strukturbeitrag (2,90 % − 1J-Satz)
12,0 % (Kasse)+0,90 PP
22,6 %+0,30 PP
32,9 %0,00 PP
43,3 %−0,40 PP
53,7 %−0,80 PP
ΣØ 2,9 %≈ 0,00 PP
Vereinfachung: jährliche Perioden, Rundung auf 0,1 PP, Liquiditätsspread ausgeklammert. Werte synthetisch.

Die Lesart: Treten die Forward-Sätze ein, ist der Strukturbeitrag über fünf Jahre kumuliert null. Das Kurvengeschenk des ersten Jahres wird in den Jahren vier und fünf zurückgezahlt. Ein Strukturbeitrag, den das Treasury tatsächlich realisiert, ist deshalb keine Prämie fürs Langsein. Er ist die Summe aus zwei Dingen:

  1. Einer Risikoprämie dafür, dass die Bank eine offene Zinsposition trägt: der Laufzeitprämie, sofern der Markt sie zahlt und sie nicht bereits in den Forwards steckt.
  2. Der Abweichung der tatsächlichen Zinsentwicklung von den Forward-Sätzen, also einer Prognose, die aufgeht oder nicht.

Ist die Laufzeitprämie real? Im langjährigen Durchschnitt ja: Forward-Sätze haben die später tatsächlich eingetretenen kurzen Sätze meist überzeichnet, die Fristentransformation hatte über lange Zeiträume einen positiven Erwartungswert. Aber es ist eine Prämie für ein Risiko, das gelegentlich eintritt. Die Jahre 2022 und 2023, in denen die kurzen Sätze schneller stiegen, als es irgendeine Kurve vorweggenommen hatte, haben genau das gezeigt. Wer die Prämie einplant, plant also einen Erwartungswert, keinen Ertrag. Und wer sie über die Benchmark strukturell vereinnahmt, muss die Jahre tragen können, in denen sie ausbleibt.

Barwertig ist das dieselbe Aussage: Am Tag des Abschlusses ist die offene Position gegen die Kurve neutral bewertet; der Barwert der Fristentransformation ist null. Ein positiver Barwert entsteht erst, wenn sich die Kurve anders bewegt als in ihren Forwards angelegt. Wer den Strukturbeitrag in der Planung als Fortschreibung der aktuellen Kurvensteilheit ansetzt, plant deshalb einen Prognosegewinn. Das darf man tun, aber es sollte so heißen.

Dieser Kurveneffekt ist auch der Schlüssel zum Forward-Darlehen (Artikel 11): Der Forward-Aufschlag ist nichts anderes als der Unterschied zwischen heutigem Kassasatz und dem Forward-Satz der Kurve, also kein Risikozuschlag, sondern Arithmetik.

Wer verantwortet was, und wo das Limit sitzt

Die Trennung, die Artikel 1 auf Einzelgeschäftsebene eingeführt hat, nämlich Preisentscheidung beim Vertrieb und Zinsposition beim Treasury, ist auf Zinsbuchebene erst der Anfang. Denn der Strukturbeitrag selbst hat zwei Bestandteile, und sie haben verschiedene Verantwortliche.

Die Benchmark ist eine Grundsatzentscheidung: Wie viel Fristentransformation will das Haus strukturell, dauerhaft, unabhängig von der Meinung des Tages? Das ist Risikoappetit, und Risikoappetit ist Vorstandssache. Was das Zinsbuch entlang der Benchmark verdient, ist deshalb kein Verdienst des Treasurys, sondern das Ergebnis einer strategischen Festlegung. Erst die Abweichung von der Benchmark, kürzer oder länger als das Zielprofil, weil man die Kurve anders einschätzt, ist eine aktive Entscheidung, und erst sie ist dem Treasury zuzurechnen.

Damit bekommen die 0,90 Prozentpunkte aus dem Beispiel einen dritten Charakter. Lautet die Benchmark „vollständig kongruent“, ist die einjährige Refinanzierung eine reine Abweichung: Benchmark-Anteil null, aktiver Anteil 0,90, und vermutlich weit außerhalb des Limits. Lautet die Benchmark „maximale Transformation, rollierend kurz“, ist dieselbe Refinanzierung Benchmark-konform: Benchmark-Anteil 0,90, aktiver Anteil null. Dieselbe Zahl, dieselbe Position, zwei Verantwortliche, je nachdem, was das Haus beschlossen hat.

Bestandteil Entsteht durch Verantwortet von Gemessen an
Benchmark-Anteil des Strukturbeitragsstrategische Zielstruktur des Zinsbuchs (Risikoappetit)VorstandRisikotragfähigkeit; Ausreißertest und IRRBB-Kennzahlen der Benchmark selbst
Aktiver Anteil des StrukturbeitragsAbweichung der tatsächlichen Position von der BenchmarkIntegrierte Steuerung – Treasury-Funktionbarwertige Performance gegen die Benchmark; Abweichung innerhalb des Limits
Limitzulässige Bandbreite der AbweichungVorstand, vorbereitet und überwacht durch Integrierte Steuerung – Risikomanagement-FunktionCashflow-Gap, barwertige Sensitivität, Limitauslastung

Der Strukturbeitrag ist also keine Ertragszeile, die für sich steht. Seine Beurteilung braucht drei Größen: den realisierten Beitrag, zerlegt in Benchmark- und aktiven Anteil; die dafür eingegangene Position; und das Limit. Zwei Millionen Euro Strukturbeitrag bei ausgereiztem Ausreißertest-Limit sind eine andere Aussage als zwei Millionen bei halber Auslastung, und zwei Millionen aus der Benchmark sind eine andere Aussage als zwei Millionen aus einer Kurvenwette.

Das ist der Grund, warum der Strukturbeitrag in der Integrierten Steuerung nie ohne den Zinsbuchbericht gelesen werden sollte, und warum es so viel Reibung spart, wenn Kalkulation und Zinsbuch denselben Cashflow verwenden (Artikel 2). Wie das Aufsichtsrecht diese Position misst, mit Standardschocks, Ausreißertest und Zinsfloor (EBA-Floor-Analyse), ist Thema der IRRBB-Beiträge; der Ausreißertest-Rechner zeigt, wie das Limit rechnerisch entsteht.

Eine Einordnung noch: Das Beispiel ist bewusst aktivseitig. In der Praxis entsteht der größte Teil der Zinsbuchposition einer Sparkasse nicht aus langen Krediten, sondern aus der Modellierung variabler Einlagen. Das ist der Stoff der Passivseiten-Ausbaustufe dieser Serie; die Logik ist dieselbe.

Der typische Fehler: den Kredit gegen die tatsächliche Refinanzierung rechnen

Der häufigste Fehler ist nicht theoretisch, sondern steht in einer Tabellenkalkulation. Der Kredit wird gegen den Zins gerechnet, zu dem die Bank sich „tatsächlich“ refinanziert: den Durchschnittszins der Passivseite, den aktuellen Einjahressatz oder eine Mischkalkulation. Ergebnis ist eine „Marge“ von 1,8 oder gar 3 Prozentpunkten, die es so nicht gibt. Sie enthält den Konditionsbeitrag, den Strukturbeitrag des laufenden Jahres und häufig noch den Liquiditätsbeitrag der Passivseite. Drei Verantwortliche, eine Zahl.

Die Folgen sind vorhersehbar:

  • Die Preisentscheidung wird von der Kurvensteilheit übersteuert. Bei flacher oder inverser Kurve „lohnen“ lange Kredite plötzlich nicht mehr, obwohl sich am Konditionsbeitrag nichts geändert hat.
  • Der Strukturbeitrag verschwindet als steuerbare Größe, weil er auf Einzelgeschäfte verteilt ist. Niemand kann mehr sagen, wie groß die Position ist, die ihn erzeugt, und wie weit sie von der Benchmark entfernt liegt.
  • Altgeschäfte sehen bei Zinsanstieg schlechter aus, obwohl die Preisentscheidung damals richtig war, und das Anreizsystem bestraft den Falschen.

Das Erkennungsmerkmal ist der Systemtest aus Artikel 1: Ändert sich der Konditionsbeitrag eines Altgeschäfts, wenn die Passivseite umgeschichtet wird oder die Kurve sich bewegt, rechnet das Haus nicht mit der Marktzinsmethode, sondern mit einer Mischkalkulation.

Ein verwandter Fehler ist die scheinbare Transparenz: ein Strukturbeitrag je Kredit, je Filiale, je Geschäftsfeld. Das sieht nach Steuerung aus, ist aber eine Fiktion: Die Position existiert nur netto, und nur dort lässt sie sich verändern.

Zurück in die Dienstagsrunde. Die Antwort auf „Wem gehört die Differenz?“ lautet: Der Kredit verdient 0,90 Prozentpunkte, fixiert, dem Kundengeschäft zugerechnet. Die anderen 0,90 gehören in diesem Moment niemandem im Raum. Sie entstehen erst, wenn das Treasury im Zinsbuch eine Position hält, und ob es das darf, steht in der Benchmark und im Limit, nicht in der Kreditvorlage. Die eigentliche Erkenntnis ist unbequemer als die Antwort: Die Frage, wie dieser eine Kredit refinanziert wird, hätte in der Runde gar nicht gestellt werden dürfen. Refinanzierung wird nicht je Kredit entschieden, sondern je Zinsbuch.

Mindestausweis Strukturbeitrag

Wenn dieser Artikel eine einzige Änderung im Berichtswesen auslösen soll, dann diese: Der Strukturbeitrag erscheint nie allein. Ein Mindestausweis, der die Trennung dieses Artikels trägt, hat vier Zeilen, periodisch und barwertig nebeneinander:

Zeile Inhalt Beantwortet
1Benchmark-Anteil: Ergebnis des Zinsbuchs bei Benchmark-StrukturWas hat die strategische Festlegung gebracht?
2Aktiver Anteil: Abweichung der tatsächlichen Position von der Benchmark, barwertige PerformanceWas hat die Treasury-Entscheidung gebracht?
3Position: Cashflow-Gap oder barwertige Sensitivität, Limitauslastung in ProzentWelches Risiko stand dahinter?
4Planannahme: Forward-basiert oder Fortschreibung der Kurve, mit ausgewiesener DifferenzWie viel Prognose steckt im Plan?

Wer diese vier Zeilen hat, kann jede der folgenden Prüffragen aus dem eigenen Bericht beantworten. Wer sie nicht hat, kann es nicht, egal wie groß der Strukturbeitrag ist.

Prüffragen für Ihr Haus

  1. Gegen welchen Satz rechnet Ihre Kalkulation den Konditionsbeitrag? Laufzeitkongruenter Marktzins aus der Kurve oder ein tatsächlicher bzw. durchschnittlicher Refinanzierungssatz? Test: Schichten Sie gedanklich die Passivseite um. Der Konditionsbeitrag darf sich dabei nicht ändern.
  2. Gibt es in Ihrem Ergebnisbericht einen Strukturbeitrag je Geschäft, Geschäftsfeld oder Filiale? Wenn ja, gehört er dort nicht hin. Strukturbeitrag gibt es nur auf Zinsbuchebene.
  3. Gibt es eine barwertige Benchmark für das Zinsbuch, und wird der Strukturbeitrag in Benchmark-Anteil und aktiven Anteil zerlegt? Ohne Benchmark ist nicht unterscheidbar, was strukturell gewollt und was aktiv entschieden war, und Ergebnisse des Vorstandsbeschlusses stehen als Treasury-Ergebnis im Bericht.
  4. Steht der Strukturbeitrag im Bericht neben der Position, also neben Cashflow-Gap, barwertiger Sensitivität und Limitauslastung, oder allein als Ertragszeile? Ohne Position ist er nicht bewertbar.
  5. Wie plant Ihr Haus den Strukturbeitrag? Fortschreibung der aktuellen Kurvensteilheit oder Forward-basiert? Die Differenz ist ein geplanter Prognosegewinn und sollte im Planungsdokument als solcher benannt sein.
  6. Wird der Liquiditäts-Cashflow ebenso gesteuert wie der Zinsbuch-Cashflow? Test: Lässt sich der Liquiditätsbeitrag eines einzelnen Kredits isoliert ausweisen, und gibt es eine Position, ein Limit und einen Verantwortlichen für die Liquiditätsfristentransformation?
  7. Sind Positionsnahme und Limitüberwachung zwei Funktionen, auch wenn sie unter einem Dach sitzen? Wo beides in einer Hand liegt, fehlt der Trennung die Struktur, die sie tragen soll.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Refinanzierungskosten und Strukturbeitrag?
Refinanzierungskosten vermischen zwei Dimensionen: den Zins für eine bestimmte Zinsbindung (Zinskurve) und den Aufschlag für die Beschaffung von Liquidität über die Kapitalbindung (Liquiditätskurve). Der Zins-Strukturbeitrag ist das Ergebnis der Entscheidung, die Zinsbindungen von Aktiv- und Passivseite nicht deckungsgleich zu halten. Der Liquiditätsspread ist ein eigener Preisbestandteil mit eigener Position und eigener Verantwortung.

Entsteht bei einem langen Festzinskredit automatisch ein Strukturbeitrag?
Nein. Der Kredit liefert einen Konditionsbeitrag, der mit dem Abschluss fixiert ist. Ein Strukturbeitrag entsteht erst, wenn das Treasury die aus dem Kredit entstehende Position nicht schließt, und zwar auf Zinsbuchebene, gemessen an der Benchmark, nicht am einzelnen Geschäft. Zwei Banken mit demselben Kredit können denselben Konditionsbeitrag und einen völlig verschiedenen Strukturbeitrag haben.

Kann der Strukturbeitrag negativ sein?
Ja. Bei inverser Kurve ist er negativ, und auch bei steiler Kurve kann er es in späteren Jahren werden, wenn die kurzen Sätze wie von den Forwards erwartet steigen. Im Beispiel ist der Strukturbeitrag im ersten Jahr +0,90 und im fünften Jahr −0,80 Prozentpunkte.

Warum wird der Konditionsbeitrag gegen den Marktzins und nicht gegen die tatsächliche Refinanzierung gerechnet?
Weil die tatsächliche Refinanzierung eine Entscheidung des Treasurys ist, die mit der Preisentscheidung des Vertriebs nichts zu tun hat. Der laufzeitkongruente Marktzins ist die Alternative, die beiden Seiten offensteht, und deshalb der faire Trennpunkt. Wer gegen die tatsächliche Refinanzierung rechnet, überträgt das Zinsrisiko des Treasurys in die Marge des Vertriebs.

Was hat der Strukturbeitrag mit den Forward-Sätzen zu tun?
Die Zinsstrukturkurve enthält die Erwartung über künftige kurze Sätze. Treten diese Forwards ein, ist der Strukturbeitrag aus kurzer Refinanzierung eines langen Kredits über die Laufzeit kumuliert null; barwertig ist die Position am Abschlusstag neutral bewertet. Ein realisierter Strukturbeitrag ist daher Laufzeitprämie plus Prognoseergebnis, nicht Belohnung für lange Zinsbindung. Die Laufzeitprämie ist im langjährigen Mittel positiv, aber ein Erwartungswert. In Jahren wie 2022/2023 bleibt sie aus.

Wer verantwortet den Strukturbeitrag?
Zwei Verantwortliche, weil er zwei Bestandteile hat. Den Benchmark-Anteil, also das Ergebnis der strategisch beschlossenen Zielstruktur des Zinsbuchs, verantwortet der Vorstand über den Risikoappetit. Den aktiven Anteil, also die Abweichung der tatsächlichen Position von der Benchmark, verantwortet die Treasury-Funktion der Integrierten Steuerung, innerhalb eines Limits, das die Risikomanagement-Funktion überwacht. Beurteilt wird er deshalb nie allein am Ergebnis, sondern zusammen mit Position und Limitauslastung.

Gehört der Liquiditätsspread zum Strukturbeitrag?
Nicht zum Zins-Strukturbeitrag. Der Liquiditätsspread ist die Liquiditätsdimension: Er wird als Liquiditätsbeitrag separat ausgewiesen, als Kostenblock in der Nettomarge des Kundengeschäfts, und die bewusst gehaltene Liquiditätsposition erzeugt einen eigenen Liquiditäts-Strukturbeitrag. Wie Liquidität bepreist wird, ist Thema von Artikel 4.

Weiter in der Serie

Weiter zu Artikel 4: Liquiditätskosten und Transferpreis, dem zweiten Preisbestandteil nach dem Konditionsbeitrag, mit eigener Kurve und eigenem Cashflow. Zurück zur Übersicht der Sektion Kalkulation mit Wissensnetz und allen Artikeln.

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