Kapitalbindung und Eigenkapitalkosten: Was der Kredit die Kapitalstrategie kostet

Nach Risiko bleiben vom Zehnjahresdarlehen 500 € im Jahr. Das ist die Marge, bevor der Kredit die letzte Ressource bezahlt hat, die er verbraucht: Eigenkapital. Jeder Kredit bindet Kapital, regulatorisch über sein Risikogewicht und ökonomisch über den Verlust, den er in einem schlechten Jahr verursachen kann. Dieses Kapital hat einen Anspruch auf Verzinsung. Der kommt nicht vom Kunden, sondern aus der Strategie der Bank. Dieser Artikel zeigt, mit welcher der beiden Kapitalbindungen die Serie rechnet und warum, wie sich der Verzinsungsanspruch aus der Kapitalstrategie herleiten lässt, was das am Zehnjahresdarlehen bedeutet und weshalb in der Integrierten Steuerung Kalkulation, Geschäftsfeldsteuerung und Kapitalplanung dieselbe Zahl verwenden sollten.

Mit den Eigenkapitalkosten tritt die dritte Funktion der Integrierten Steuerung in die Kalkulation ein: das Kapitalmanagement. Es bereitet die Kapitalquote gegen das geplante Wachstum vor, leitet daraus den Verzinsungsanspruch ab und stellt ihn der Kalkulation als Preisbestandteil, so wie die Treasury-Funktion Opportunitätszins und Liquiditätstransferpreis stellt und die Risikomanagement-Funktion die Adressrisikokosten. Damit ist das Dreieck geschlossen.

„Wir wachsen, und die Quote fällt“

Kapitalplanungsrunde, Herbst. Die Geschäftsfelder melden ihre Planung: Firmenkundenkredite plus vier Prozent, Baufinanzierung plus drei. Der Kapitalmanager rechnet vor. Die risikogewichteten Aktiva wachsen mit, das Eigenkapital wächst im Wesentlichen mit dem einbehaltenen Ergebnis, und bei dem Ergebnis, das die Kalkulation der geplanten Kredite hergibt, liegt die Kapitalquote in drei Jahren unter der strategischen Zielquote. Der Leiter Firmenkunden: „Dann müssen wir eben mehr verdienen.“ Der Kapitalmanager: „Das Ergebnis, das wir verdienen müssen, steht in jeder Kreditkalkulation als Eigenkapitalkosten. Wenn die Kredite es nicht hergeben, sagt die Kalkulation das. Sie sagt es nur niemandem, weil die Zahl dort anders heißt als hier.“

In dieser Situation zeigt sich, ob Eigenkapitalkosten in einem Haus ein Preisbestandteil sind oder eine Konvention. Ein Preisbestandteil hängt an der Strategie: Er ändert sich, wenn die Zielquote oder das Wachstum sich ändern, und er macht die Kapitalplanung in jedem einzelnen Kredit sichtbar. Eine Konvention ist eine Zahl, die irgendwann einmal gesetzt wurde.

1. Zwei Kapitalbindungen, und mit welcher die Serie rechnet

Ein Kredit bindet Eigenkapital auf zwei Arten, und beide sind richtig.

Regulatorisch bindet er Kapital über sein Risikogewicht. Die risikogewichteten Aktiva (RWA) des Kredits, multipliziert mit der Kapitalquote, die die Bank halten will, sind das Eigenkapital, das der Kredit für die Dauer seiner Laufzeit belegt. Für eine gewöhnliche Forderung an ein Unternehmen ohne anrechenbares externes Rating setzt das Beispiel im Kreditrisiko-Standardansatz ein Risikogewicht von 100 % an; eine regulatorisch anerkennungsfähige Immobiliensicherheit kann es unter den Voraussetzungen der CRR senken.

Die Quote, mit der gerechnet wird, ist nicht die aufsichtliche Mindestquote, sondern die strategische Zielquote der Bank. Die Anforderungen der Aufsicht bauen sich in Stufen auf: Die Säule-1-Anforderung von 8 % und die institutsspezifische Säule-2-Anforderung aus dem SREP ergeben zusammen die TSCR (Total SREP Capital Requirement). TSCR plus kombinierte Kapitalpufferanforderung ergeben die Gesamtkapitalanforderung (OCR). Darüber kann eine Eigenmittelempfehlung (P2G) stehen, die die Aufsicht institutsindividuell ausspricht. Bei weniger bedeutenden Instituten dient dafür seit 2026 die Schwelle TSCR + 500 Basispunkte im LSI-Stresstest: Unterschreitet die Quote im adversen Szenario diese Schwelle, folgt in der Regel eine Empfehlung. Eine strategische Zielquote lässt sich daraus nicht ableiten. Sie ist das, was die Bank sich in ihrer Geschäfts- und Risikostrategie über die Anforderungen hinaus vornimmt, mit einem Managementpuffer, der Spielraum für Wachstum und schlechte Jahre lässt. Die Beispiel-Welt rechnet mit einer TSCR von 11 % und einer strategischen Kapitalquote von 16 %.

Ökonomisch bindet er Kapital über den unerwarteten Verlust. Der erwartete Verlust ist bepreist (Artikel 6). In einem schlechten Jahr fällt aber mehr aus als erwartet, und diesen Ausschlag muss Kapital auffangen. Das Kreditportfoliomodell misst ihn als Verlust, der mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht überschritten wird, und rechnet ihn dem einzelnen Kredit nach seinem Beitrag zum Portfoliorisiko zu. Diese Größe steht in der ökonomischen Perspektive der Risikotragfähigkeit.

Mit welcher rechnet die Kalkulation? Die Serie legt sich fest: mit der regulatorischen, RWA × strategische Kapitalquote. Nicht, weil sie richtiger wäre; die ökonomische misst das Risiko genauer. Sondern weil in der Steuerungslogik dieser Serie die strategische Kapitalquote der maßgebliche Engpass für Wachstum und Kapitalplanung ist: die Größe, die als Strategie beschlossen wird, die die Aufsicht sieht und die der Kapitalmanager plant. Wenn die Kalkulation mit einer anderen Kapitalbindung rechnet als die Kapitalplanung, verwenden beide verschiedene Zahlen für dieselbe Frage, und die Kapitalplanungsrunde aus dem Einstieg findet keinen gemeinsamen Boden. Der unerwartete Verlust bleibt die ökonomische Risikosicht und ein wesentlicher Prüfmaßstab dafür, ob die Kapitalausstattung dem Risiko angemessen ist. Er ist aber nicht die regulatorische Kapitalbindung des einzelnen Kredits, und die Serie setzt beides nicht gleich. Andere Häuser können andere Engpässe haben, etwa die ökonomische Risikotragfähigkeit oder die Verschuldungsquote; dann verschiebt sich der Anker.

Ein Nebeneffekt, der die Serie sauber hält: Die Sicherheit aus Artikel 6 kann ein zweites Mal wirken. Beim Adressrisiko senkt sie den LGD. Hier kann sie, wenn sie regulatorisch anerkannt ist, das Risikogewicht und damit die Kapitalbindung senken. Das sind zwei verschiedene Mechanismen, und beide gehören in den Preis.

2. Der Verzinsungsanspruch kommt aus der Strategie

Gebundenes Kapital hat einen Preis: den Verzinsungsanspruch. In manchen Häusern ist er eine gesetzte Zahl, die vor Jahren ins Kalkulationsschema kam und deren Herleitung heute niemand mehr kennt. Das ist die Konvention aus dem Einstieg. Der Anspruch lässt sich aber herleiten, und die Herleitung ist die Stelle, an der Kalkulation und Kapitalstrategie dieselbe Sprache sprechen.

Eine Sparkasse baut ihr Eigenkapital im Wesentlichen aus einbehaltenen Ergebnissen auf. Unter der vereinfachenden Annahme einer konstanten Zielquote, vollständiger Thesaurierung und ohne weitere Kapitalveränderungen muss das anrechenbare Kapital mit den risikogewichteten Aktiva wachsen. Sollen die RWA um vier Prozent wachsen, muss das Kapital ebenfalls um vier Prozent wachsen, und zwar nach Steuern, denn thesauriert wird das Ergebnis nach Steuern. Bei einem Steuersatz von 30 % heißt das: Das Ergebnis vor Steuern muss rund 5,7 % des gebundenen Kapitals betragen, damit die Quote bei diesem Wachstum nicht fällt. Wer die Quote aufbauen will oder einen Sicherheitsabstand für Jahre mit höheren Risikokosten einplant, setzt darüber. Ausschüttungen an den Träger, Zuführungen zum Fonds für allgemeine Bankrisiken oder regulatorische Abzüge verändern die Rechnung; für die Kalkulation reicht die vereinfachte Ableitung. Die Beispiel-Welt dieser Serie rechnet mit 6 % vor Steuern.

Größe Beispiel-Welt
Strategische Kapitalquote16 % (synthetischer Hauswert; TSCR im Beispiel 11 %)
Geplantes RWA-Wachstum4 % p. a.
Nötiges Kapitalwachstum nach Steuern4 % p. a.
Steuersatz30 %
Verzinsungsanspruch vor Steuern4 % / 0,7 = 5,7 %, gerundet 6 %

Der Anspruch ist damit keine Renditeerwartung eines Eigentümers, sondern eine Bedingung: das Ergebnis, das die Bank aus ihrem gebundenen Kapital erwirtschaften muss, damit ihre eigene Strategie aufgeht. Das hat zwei Konsequenzen, die eine gesetzte Zahl nicht hat, und sie laufen über zwei verschiedene Mechanismen. Erstens: Mehr Wachstum erhöht bei sonst gleichen Annahmen den notwendigen Ergebnisbeitrag, also den Anspruch; soll die Quote zusätzlich aufgebaut werden, kommt weiterer Thesaurierungsbedarf hinzu. Zweitens: Eine höhere Zielquote erhöht nicht den Anspruch, sondern die Kapitalmenge, die jeder Kredit bindet, und damit ebenfalls seine Eigenkapitalkosten. In beiden Fällen zeigt die Kalkulation der Bank, was ihre Strategie kostet. Und der Anspruch ist für alle Geschäftsfelder derselbe, weil das Kapital dasselbe ist: Die Firmenkundenkredite und die Baufinanzierung konkurrieren um dieselbe Quote, und die Kalkulation macht diese Konkurrenz mit einer Zahl vergleichbar.

3. Rechenbeispiel am Zehnjahresdarlehen

Musterdarlehen 2, endfällig: nach Liquidität 0,15 PP, nach Risiko +0,05 PP mit Grundschuld und −0,075 PP ohne (Artikel 6). Jetzt die Kapitalbindung:

unbesichert mit erstrangiger Grundschuld
Risikogewicht (KSA, für das Beispiel)100 %65 %
RWA1.000.000 €650.000 €
Strategische Kapitalquote16 %16 %
Gebundenes Kapital160.000 €104.000 €
Verzinsungsanspruch6 %6 %
Eigenkapitalkosten p. a.9.600 € = 0,96 PP6.240 € = 0,624 PP

Das Risikogewicht von 65 % ist für das Beispiel gerundet unterstellt. Die konkrete Behandlung nach CRR III hängt von Immobilienart, Beleihungsauslauf, Einordnung der Finanzierung und den Anerkennungsvoraussetzungen ab; bei einer gewerblichen Immobilie mit 60 % Beleihung liegt das gemischte Risikogewicht in dieser Größenordnung.

Und die Marge nach allen bisher bepreisten Bestandteilen:

unbesichert mit Grundschuld
Nettomarge nach Risiko−0,075 PP = −750 €+0,05 PP = +500 €
Eigenkapitalkosten0,96 PP = 9.600 €0,624 PP = 6.240 €
Nettomarge nach Kapital−1,035 PP = −10.350 €−0,574 PP = −5.740 €

Der Kredit, der nach Liquidität positiv war und nach Risiko mit Grundschuld knapp positiv blieb, ist nach Kapital in beiden Varianten negativ. Das ist kein Konstruktionsfehler der Beispiel-Welt, sondern ihre Aussage: Ein Zehnjahresdarlehen mit 0,90 PP Konditionsbeitrag erwirtschaftet bei einer Liquiditätskurve von 0,70 PP am langen Ende nicht den Ergebnisbeitrag, den die Kapitalstrategie verlangt. Wer ihn zu 4,10 % vergibt, bekommt weniger auf das gebundene Kapital, als die Bank braucht, um ihre Quote bei ihrem Wachstum zu halten. Die Kapitalplanungsrunde im Einstieg merkt es drei Jahre später an der Quote.

Was der Preis sein müsste, damit die Grundschuld-Variante ihre Eigenkapitalkosten gerade deckt: Opportunitätszins 3,20 + Liquidität 0,75 + Adressrisikokosten 0,10 + Eigenkapitalkosten 0,624 = 4,67 %, vor Betriebskosten, die Artikel 8 hinzufügt. Unbesichert: 3,20 + 0,75 + 0,225 + 0,96 = 5,14 %. Das ist die kalkulatorische Preisuntergrenze nach der Steuerungslogik dieser Serie; Artikel 10 macht sie zur Steuerungsgröße und zeigt, wann eine Bank bewusst darunter abschließt. Hier ist sie nur die Summe der Bestandteile.

Tilgung senkt die Kapitalbindung mit der Restschuld. Bei konstantem Risikogewicht fällt der RWA des Beispielkredits beim Ratendarlehen proportional mit der Restschuld. Der Eigenkapitalkostensatz bleibt 0,624 PP auf die Restschuld, der Eurobetrag halbiert sich über die Laufzeit (55 statt 100 Volumen-Jahre, Artikel 2). Nach Kapital: 0,439 − 0,624 = −0,185 PP. Auch das Ratendarlehen deckt seine Kapitalkosten nicht, aber es bindet weniger Kapital, und das zählt für die Quote.

RORAC. Dieselbe Rechnung als Rendite gelesen: Im Begriffsverständnis dieser Serie ist die Nettomarge nach Risiko, bezogen auf das regulatorisch gebundene Kapital, der Return on Risk-Adjusted Capital. 500 € / 104.000 € = 0,5 % gegen einen Anspruch von 6 %. Bei identischer Kapitaldefinition und identischem Anspruch sind RORAC und Marge nach Kapital zwei Darstellungen derselben Frage; die Marge ist der Abstand zum Anspruch in Euro, der RORAC in Prozent. RAROC, die verwandte Kennzahl, bezieht in dieser Serie die risikoadjustierte Marge auf das ökonomische Kapital und kommt damit wieder beim unerwarteten Verlust an. Die Literatur trennt die beiden Begriffe nicht einheitlich; die Bank muss eine Definition wählen und überall dieselbe verwenden.

4. Eine Zahl für drei Steuerungskreise

Die Eigenkapitalkosten sind in der Integrierten Steuerung die Stelle, an der drei Steuerungskreise dieselbe Zahl verwenden sollten. Sonst reden sie aneinander vorbei.

Die Kapitalplanung rechnet mit der strategischen Quote, dem geplanten RWA-Wachstum und dem daraus nötigen Ergebnis. Sie fragt: Reicht das Ergebnis, damit die Quote hält?

Die Geschäftsfeldsteuerung rechnet mit dem Kapital, das jedes Geschäftsfeld bindet, und dem Ergebnis, das es darauf erwirtschaftet. Sie fragt: Welches Geschäftsfeld verdient seinen Kapitalverbrauch, welches nicht, und wohin soll die Bank ihr knappes Kapital lenken?

Die Kalkulation rechnet mit der Kapitalbindung des einzelnen Kredits und dem Verzinsungsanspruch. Sie fragt: Trägt dieser Kredit seine Eigenkapitalkosten?

Wenn alle drei mit RWA × strategischer Quote × abgeleitetem Anspruch arbeiten, lassen sich Einzelgeschäftskalkulation, Geschäftsfeldsteuerung und Kapitalplanung weitgehend ineinander überleiten. Die Kapitalplanung enthält mehr als die Summe der Kredite, etwa Marktpreisrisiken, operationelle Risiken, Beteiligungen und Abzüge; aber der Teil, der aus dem Kundengeschäft kommt, ist derselbe, den die Kalkulation Kredit für Kredit ausweist. Der Kapitalmanager im Einstieg kann dann sagen: Die Firmenkundenplanung bindet 12 Mio. € Kapital und liefert 3 % darauf, und wir brauchen 6. Jeder in der Runde kann diese Aussage bis auf den einzelnen Kredit zurückverfolgen.

Integrierte Steuerung – Kapitalmanagement-Funktion Integrierte Steuerung – Risikomanagement-Funktion Meldewesen Integrierte Steuerung – Treasury-Funktion
Strategische Kapitalquotebereitet sie aus Kapitalplanung, Anforderungen, Risikotragfähigkeit und Managementpuffer vor; Festlegung im Strategieprozess des Vorstandsliefert die ökonomische Perspektive (unerwarteter Verlust, Risikotragfähigkeit) als Prüfmaßstabliefert Ist-Quoten, TSCR, OCR und P2Gnicht beteiligt
Verzinsungsanspruchleitet ihn aus Quote, Wachstum und Steuersatz ab; stellt ihn der Kalkulationnicht beteiligtnicht beteiligtverankert ihn in der Produktkalkulation
Kapitalbindung je KreditKalkulationsregel (RWA × Quote, auf Restschuld)nicht beteiligtRisikogewichte und RWA-Ermittlung nach CRRrechnet sie auf den Cashflow
Kapitalverbrauch je Geschäftsfeldplant und berichtet ihn gegen die Quotenicht beteiligtnicht beteiligtkonsolidiert ihn aus der Nachkalkulation
Marge nach Kapital / RORACMaßstab der Geschäftsfeldsteuerungnicht beteiligtnicht beteiligtAusweis in Vor- und Nachkalkulation

Nicht jedes Haus hat für diese Rollen eigene Einheiten; das Meldewesen sitzt oft in den Finanzen, die Kalkulation je nach Haus in der Treasury-Funktion oder anderswo. Funktional gibt es sie überall. Das ist die Triangulation, von der diese Serie seit Artikel 1 spricht, an ihrem konkretesten Punkt. Drei Funktionen sehen dieselbe Zahl aus drei Richtungen, und das Meldewesen liefert die regulatorische Grundlage.

5. Eigenkapital im Kapitalstrukturmodell: keine Doppelzählung

Artikel 4 hat das Eigenkapital an einer anderen Stelle bereits berührt, im Kapitalstrukturmodell, das die Liquiditätskurve der Bank aus ihrem Refinanzierungsmix ableitet. Dort wird Eigenkapital als dauerhaft verfügbare Finanzierungsquelle ohne Liquiditätsspread berücksichtigt und senkt den gewichteten Liquiditätsspread der Bank. Hier ist Eigenkapital eine knappe Ressource mit Verzinsungsanspruch. Beides ist richtig, und beides darf nur je einmal bepreist werden.

Die Trennung, wie diese Serie sie hält: Im Kapitalstrukturmodell zählt das Eigenkapital als Finanzierungsquelle, nicht als Risikoträger; es bekommt dort keine Verzinsung, sondern nur seinen Anteil am Mix. In den Eigenkapitalkosten zählt es als Risikoträger, nicht als Finanzierung; die Kapitalbindung wird über RWA ermittelt, nicht über den Refinanzierungsanteil. Wer das Eigenkapital im Kapitalstrukturmodell mit einem Verzinsungsanspruch belegt und zusätzlich Eigenkapitalkosten ansetzt, zählt doppelt. Wer es in diesem Modell weglässt, überzeichnet den Liquiditätsspread. Die Beispiel-Welt setzt das Eigenkapital im Kapitalstrukturmodell mit null Spread an und verzinst es ausschließlich hier.

Der typische Fehler

Der Verzinsungsanspruch ist eine Konvention, keine Ableitung. Er wurde vor Jahren gesetzt, als Zielrendite, als Branchenwert oder als Beratungsempfehlung, steht seither im Kalkulationsschema und wird nicht mehr mit der Kapitalplanung abgeglichen. Die Folge ist nicht, dass die Zahl falsch wäre; sie kann zufällig richtig sein. Die Folge ist, dass sie nichts mehr sagt. Wenn die Strategie das Wachstum verdoppelt, ändern sich die Eigenkapitalkosten in der Kalkulation nicht. Wenn die Zielquote steigt, merkt es kein Kredit. Die Kapitalplanung sieht das Problem an der Quote, die Kalkulation sieht es nicht, und die Geschäftsfeldsteuerung sieht ein anderes Problem, weil sie mit dem ökonomischen Kapital rechnet. Drei Steuerungskreise mit drei Zahlen.

Eine zweite Form desselben Bruchs: Die Kalkulation rechnet die Kapitalbindung auf die aufsichtliche Mindestquote, während die Kapitalplanung auf die strategische Zielquote steuert. Das ist nicht per se falsch; ein Haus kann den strategischen Puffer bewusst auf Gesamtbankebene tragen. Wer aber, wie diese Serie, verlangt, dass jedes Geschäft seinen Anteil an der strategisch gewünschten Kapitalausstattung verdient, und trotzdem nur das Mindestkapital bepreist, trennt Einzelgeschäftskalkulation und Kapitalplanung voneinander. Dann trägt jeder Kredit nur das Kapital, das die Aufsicht verlangt, und niemand trägt den Puffer, den die Bank tatsächlich hält.

Mindestausweis: Kapitalverbrauch im Steuerungsreport

Eine Seite, quartalsweise, an Vorstand und Kapitalplanungsrunde.

Zeile Inhalt Liefert
1Kapitalquoten: strategisches Ziel, Ist, TSCR, OCR, P2G; Planung über den StrategiehorizontIntegrierte Steuerung – Kapitalmanagement-Funktion, mit dem Meldewesen
2Verzinsungsanspruch: geltender Wert, Herleitung (Quote, Wachstum, Steuersatz, Thesaurierungsannahme), Datum der letzten AbleitungIntegrierte Steuerung – Kapitalmanagement-Funktion
3Kapitalverbrauch des Neugeschäfts im Berichtszeitraum je Geschäftsfeld (RWA, gebundenes Kapital in Mio. €)Integrierte Steuerung – Kapitalmanagement-Funktion
4Marge nach Kapital und RORAC des Neugeschäfts je Geschäftsfeld, gegen den AnspruchIntegrierte Steuerung – Treasury-Funktion (Nachkalkulation)
5Neugeschäft mit negativer Marge nach Kapital: Anzahl, Volumen, gebundenes Kapital, BegründungMarkt und Marktfolge, konsolidiert durch die Treasury-Funktion
6Ökonomische Perspektive: unerwarteter Verlust des Portfolios gegen die Kapitalausstattung (Risikotragfähigkeit)Integrierte Steuerung – Risikomanagement-Funktion
7Sensitivität: Eigenkapitalkosten je Geschäftsfeld bei +1 PP Zielquote und bei +1 PP WachstumIntegrierte Steuerung – Kapitalmanagement-Funktion

Zeile 2 macht den Verzinsungsanspruch von einer Konvention zu einer Ableitung. Wer die Herleitung jedes Quartal ausweist, kann sie nicht unbemerkt veralten lassen. Zeile 7 zeigt der Runde aus dem Einstieg, was ihre Strategie den einzelnen Kredit kostet, bevor sie sie beschließt, und trennt dabei die beiden Mechanismen aus Abschnitt 2.

Prüffragen für Ihr Haus

  1. Rechnet Ihre Kalkulation die Kapitalbindung auf die strategische Zielquote oder auf die aufsichtliche Mindestquote? Und passt das zu dem, was Ihre Kapitalplanung verlangt?
  2. Ist der Verzinsungsanspruch aus Quote, Wachstum und Steuersatz hergeleitet, oder ist er gesetzt? Wann wurde er zuletzt geändert, und warum?
  3. Verwenden Kalkulation, Geschäftsfeldsteuerung und Kapitalplanung dieselbe Kapitalbindung und denselben Anspruch?
  4. Kennen Sie den Anteil Ihres Neugeschäfts, der nach Kapital eine negative Marge hat, und das Kapital, das dieses Geschäft bindet?
  5. Wirkt eine anerkannte Sicherheit in Ihrem Kalkulationsschema auf die Adressrisikokosten (LGD) und ebenso auf die Kapitalbindung (Risikogewicht)?
  6. Ist das Eigenkapital in Ihrem Kapitalstrukturmodell als Finanzierungsquelle enthalten, und ist sichergestellt, dass es dort nicht zusätzlich verzinst wird?
  7. Was passiert in Ihrer Kalkulation, wenn die Zielquote um einen Prozentpunkt angehoben wird? Ändert sich ein Preis, und über welchen Mechanismus?

Häufige Fragen

Was sind Eigenkapitalkosten in der Kreditkalkulation?
Das Produkt aus dem Eigenkapital, das ein Kredit bindet, und dem Verzinsungsanspruch der Bank auf dieses Kapital. In der Serie: Kapitalbindung = RWA × strategische Kapitalquote; Verzinsungsanspruch aus Quote, geplantem Wachstum und Steuersatz abgeleitet. Sie sind der Preisbestandteil, der die Kapitalstrategie in jeden Kredit trägt.

Warum die regulatorische Kapitalbindung und nicht die ökonomische?
Weil in der Steuerungslogik dieser Serie die strategische Kapitalquote der maßgebliche Engpass ist. Sie begrenzt das Wachstum, wird als Strategie beschlossen und vom Kapitalmanagement geplant. Die ökonomische Kapitalbindung aus dem unerwarteten Verlust misst das Risiko genauer und bleibt der Prüfmaßstab der Risikotragfähigkeit. Kalkulation und Kapitalplanung müssen aber dieselbe Zahl verwenden, und die Planung rechnet mit der Quote.

Wie leitet man den Verzinsungsanspruch her?
Aus der Bedingung, dass die Kapitalquote bei geplantem Wachstum hält: Das Kapital muss so schnell wachsen wie die risikogewichteten Aktiva, und es wächst im Wesentlichen aus dem einbehaltenen Ergebnis nach Steuern. Bei 4 % Wachstum und 30 % Steuern sind das vereinfacht rund 5,7 % vor Steuern. Aufbau der Quote, Ausschüttungen oder ein Sicherheitsabstand verändern den Wert.

Was ist der Unterschied zwischen RORAC und RAROC?
Beide beziehen ein risikoadjustiertes Ergebnis auf gebundenes Kapital. Im Begriffsverständnis dieser Serie: RORAC ist die Nettomarge nach Risiko bezogen auf das regulatorisch gebundene Kapital, verglichen mit dem Verzinsungsanspruch. RAROC bezieht die risikoadjustierte Marge auf das ökonomische Kapital. Die Abgrenzung ist in der Literatur nicht einheitlich. Entscheidend ist, dass die Bank eine Definition wählt und in allen drei Steuerungskreisen dieselbe verwendet.

Warum kann eine Sicherheit zweimal auf den Preis wirken?
Sie senkt den LGD und damit die Adressrisikokosten (Artikel 6), und sie kann, wenn sie regulatorisch anerkannt ist, das Risikogewicht und damit die Kapitalbindung senken. Das sind zwei verschiedene Mechanismen, erwarteter Verlust und Kapitalverbrauch, und beide gehören in die Kalkulation.

Wird das Eigenkapital im Kapitalstrukturmodell aus Artikel 4 auch bepreist?
Nein. Dort ist Eigenkapital eine dauerhafte Finanzierungsquelle ohne Liquiditätsspread und senkt den gewichteten Spread. Hier ist es Risikoträger mit Verzinsungsanspruch. Jede Rolle wird einmal bepreist, keine zweimal.

Was heißt es, wenn ein Kredit nach Kapital negativ ist?
Dass er nach dieser Kalkulationslogik nicht den Ergebnisbeitrag erwirtschaftet, den die Kapitalstrategie verlangt. Er bindet Quote und liefert weniger darauf, als die Bank braucht, um die Quote bei ihrem Wachstum zu halten. Es kann gute Gründe geben, ihn trotzdem zu vergeben. Dann muss die Bank es aber wissen, und die Kapitalplanung muss es einrechnen.

Weiter in der Serie

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